Kultur : Eine bunte Rate-Mischung

Diesmal geht es um Persönlichkeiten, die durch ihr außergewöhnliches Talent in der bildenden oder darstellenden Kunst berühmt wurden

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Eine

umjubelte

Künstlerin

1 Die Zeit, in die sie hineingeboren wurde, war wie geschaffen für die Kunst, die sie ausübte. Ihre Kindheit war wenig romantisch. Ihr Vater war früh gestorben und ihre Mutter, selbst Künstlerin, erkannte bald schon die große Begabung ihrer Tochter und ließ sie bereits als Kind zum ersten Mal öffentlich auftreten. Sie begann ein Studium an einer für ihre Kunst zuständigen Institution, wurde noch als Teenager an ein berühmtes Haus im Ausland verpflichtet und war kurze Zeit später ein Star. Das Publikum lag ihr zu Füßen. Wo auch immer sie auftrat – ihr Ruhm und ihre Engagements dehnten sich mittlerweile auf ganz Europa aus. In der Hauptstadt eines Landes erhoben sich die Menschen jubelnd, wenn sie die Bühne betrat, was man sonst nur für die königliche Familie zu tun pflegte. Sie heiratete einen Grafen, zog sich von der Bühne zurück und war fortan Ehefrau und Mutter. Nach über 20 Jahren trat sie wieder auf. Trotz der langen Pause konnte die über 40-Jährige an ihre alten Erfolge anknüpfen. Denn ihre Wirkung und die Begeisterung des Publikums waren genauso überwältigend wie früher. Während eines Engagements in Amerika ist an einer heimtückischen Krankheit gestorben.

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Ein

ländlicher

Künstler

2 Er stammte aus einem kleinen Dorf im südlichen Teil des Landes und wuchs in ländlicher Abgeschiedenheit auf. Schon früh schrieb er Gedichte und träumte von einer Zukunft als Schriftsteller. Auf Wunsch seines Vaters machte er eine Lehre, studierte Architektur, erhielt eine Anstellung in der Hauptstadt und mehrere Auszeichnungen. Doch es zog ihn in seine ländliche Heimat zurück, wo er für einen Kirchen-Restaurator arbeitete und zuständig wurde für Kirchen- und Schulbauten. Auf einer Dienstreise begegnete er einer jungen Frau, in die er sich verliebte. Deren auffallend schöne Augen inspirierten ihn zu einem Roman, der erschien und finanziell ein Erfolg wurde. Das ermutigte ihn, das Schreiben zu seinem Beruf zu machen. Er heiratete seine Angebetete und schrieb fast ununterbrochen: 17 Romane erschienen, die fast alle seine ländliche Heimat als Hintergrund hatten und in denen es um menschliche Schicksale ging. Neu und einmalig an diesen Romanen war – sozusagen sein „Stil“ – dass er das alles ohne jegliche Sentimentalität beschrieb, die in den viktorianischen Zeiten sonst üblich war. Kritiker und Leser waren begeistert, und er wurde schnell berühmt, zumindest in seinem Land und auf der anderen Seite des Atlantiks. Ein Roman, der thematisch und atmosphärisch anders war, sollte sein letzter sein: Er stieß mit ihm auf so heftige Ablehnung, dass er beschloss, nur noch Gedichte zu schreiben. Als Witwer hat er im hohen Alter noch ein Mal geheiratet, und zwar eine über drei Jahrzehnte jüngere Frau. Im 88. Lebensjahr ist er gestorben.

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Ein

grüner

Künstler

3 Er stammt aus einer Familie, in der man schon seit Generationen beruflich in und mit der Natur arbeitete und sich deren Verschönerung widmete. Auch er entschied sich für diesen Beruf, machte eine diesbezügliche Lehre und studierte noch etwas Architektur und Botanik. Schon bald erhielt er die ersten Aufträge, die er mit so viel Können ausführte, dass man auch in anderen Teilen des Landes auf ihn aufmerksam wurde und ihn – von höchster Stelle – in die unmittelbare Nähe der Hauptstadt berief. Nur ungern verließ er die heimatlichen Gefilde, obwohl er für sein neues Umfeld genau die Eigenschaften mitbrachte, die man dort schätzte: Er war immens fleißig, pünktlich, zuverlässig und sparsam. Dank seines beruflichen Könnens machte er schnell Karriere. Aus der Arbeit mit der Natur wurde bei ihm Kunst, in die er auch noch einen neuen Stil einbrachte, den er aus einem Land, wo man diese Richtung erfunden hatte, importierte. Er war überall hoch geschätzt, verkehrte beim Herrscher des Landes, erhielt etliche Orden und war mit vielen der Prominenten seiner Zeit befreundet oder arbeitete mit ihnen zusammen. Sein Privatleben änderte sich weder durch Ehrungen noch Ruhm. Er lebte bescheiden, unauffällig und führte jahrzehntelang eine glückliche Ehe mit der Tochter eines Kollegen. Als einzigen Luxus hielt er sich eine eigene Kutsche mit einem Schimmelgespann und einen reich bestückten Weinkeller: Wenn er die Zeit fand, bewirtete er seine Gäste gern mit heimatlichem Rheinwein. Doch seine Leidenschaft war die Arbeit, seine auf diesem Gebiet genialische Kunst, die bis heute unser aller Leben bereichert und verschönt.

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Ein

liebenswerter

Künstler

4 Er stammte aus einem kleinen, friedlichen Land. Sein Vater hatte als junger Mann im Showbusiness gearbeitet, auch wenn man das damals noch nicht so bezeichnete. Schon als Kind versuchte er, sich öffentlich in seinem Traumberuf zu produzieren, was, obwohl er hoch begabt war, nicht sehr erfolgreich ausfiel. Er begann noch als Junge eine lange Lehr- und Wanderzeit, reich an Entbehrungen und Enttäuschungen. Um sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen, scheute er nicht vor Auftritten als Schlangenmensch oder Jongleur zurück, versuchte zwischenzeitlich auch wieder im „bürgerlichen“ Leben Fuß zu fassen. Er beherrschte mehrere Fremdsprachen, war hoch musikalisch und sehr sportlich. Doch das Sesshafte lag ihm nicht. Es zog ihn zurück in seine eigentliche Arena. Mit der Idee, eine Art Kunstfigur für sich zu erfinden, von skurriler Erscheinung und mit einem verbalen Erkennungszeichen, schaffte er den Durchbruch. Das geschah im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrhunderts. Schon bald wurde er berühmt, bewundert und vermögend, blieb aber trotz seiner weltweiten Erfolge selbstkritisch. Die einzigen Ablenkungen, die er sich während seiner unermüdlichen Arbeit gönnte, waren wohl auch die einzigen privaten Leidenschaften: Boxen und Billardspielen. Er blieb fast bis an sein Lebensende aktiv. In einem südlichen Land ist er gestorben.

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Ein

asketischer

Künstler

5 Er stammte aus einem hanseatischen Patrizierhaus. Sein Vater, der auch als Dichter und Komponist humorvoller Volkslieder hervortrat, war Senator und Bürgermeister der Stadt. Es war eine durchaus weltoffene und aufgeschlossene Familie, die die künstlerische Begabung des Sohns sehr früh erkannte und förderte. Als Jüngling erhielt er bereits Privatunterricht und studierte an einer renommierten Akademie in der Hauptstadt eines Nachbarlandes. Die Ausbildung nach den damals üblichen strengen klassizistischen Regeln sagte ihm allerdings wenig zu. So verbrachte er die Zeit bald nur noch in den Museen, wo er durch die Betrachtung älterer Kunst mehr zu lernen glaubte als durch seine Lehrer. Eine enge Freundschaft verband ihn mit einem jüngeren, gleich gesinnten Mitstudenten. Mit ihm und einigen anderen gründete er eine Art Bruderschaft, einen jünglingshaft-schwärmerischen Idealbund, dessen Ziel die Erneuerung der Kunst auf religiöser Grundlage sein sollte und ein Leben in Askese einschloss. Er war Anfang 20 als er, im ersten Jahrzehnt eines neuen Jahrhunderts, mit seinen Freunden in die Hauptstadt eines südlichen Landes übersiedelte, wo sie in einem Kloster für ihr gemeinsames Leben und Arbeiten eine Unterkunft fanden. Eine ursprünglich von Außenstehenden als Spottname gedachte Bezeichnung für diese Gruppe wurde mit der Zeit zu einem festen Begriff in der deutschen Kunstgeschichte. Die Bruderschaft löste sich allerdings allmählich auf. Der zu Ratende blieb als einziger in der Stadt und auch seinen Idealen treu. Doch seine sehr gefühlvollen Werke blieben ohne weitere Entwicklung und schienen nach Ansicht seiner Zeitgenossen langsam zu erstarren. Er starb vereinsamt im Alter von fast 80 Jahren.

Eine

einsame

Künstlerin

6 Ihr gelang etwas, was selten vorkam und vorkommt: Ihr erster Gedichtband war ein so großer Publikums- und Verkaufserfolg, dass schon kurz nach dem Erscheinen weitere Auflagen gedruckt wurden. Und das ohne ihr Dazutun und beinahe gegen ihren Willen. Das ist über hundert Jahre her und ereignete sich auf der anderen Seite des Atlantiks, wo sie in einem kleinen Ostküstenort in einer angesehenen Familie aufwuchs. Ihre in jungen Jahren verfassten Gedichte sammelte sie in einem kleinen, selbst genähten Büchlein. Auf Drängen ihrer jüngeren Schwester, die die Ältere Zeit ihres Lebens bewunderte, sandte sie einem Verleger einige ihrer Gedichte zu, die dieser aber als nicht zur Veröffentlichung geeignet ablehnte. Daraufhin beschloss sie, ihre Lyrik keinem mehr zu zeigen, sie zog sich ganz in eine selbst gewählte Einsamkeit zurück, verließ nie mehr ihren kleinen Geburtsort und hatte kaum Kontakt zu anderen Menschen. Sie hinterließ mehr als 1700 Gedichte, die hauptsächlich Liebe und Tod, Gott und Natur zum Thema hatten, und die auch die Empfindungen und Erfahrungen eines einsamen Lebens wiedergaben. Doch sie war eine zufriedene Frau. Erst vier Jahre nach ihrem Tod erschienen ihre Gedichte, die die Schwester in einem verborgenen Winkel des Hauses in einem großen Kasten entdeckt hatte.

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Eine

kraftvolle

Künstlerin

7 Sie stammte aus einer Industriestadt im Norden des Landes. Für sie stand früh fest, einen künstlerischen Beruf zu ergreifen. Mit 16 Jahren begann sie die Ausbildung an einer Kunstschule. Dort traf sie auf einen um fünf Jahre älteren Mitstudenten, der später noch berühmter wurde als sie. Sie haben beide die Behauptung eines Kunsthistorikers widerlegt, dass „diese Nation keine Bildhauernation“ sei. Nach fünfjährigem Studium erhielt sie ein Reisestipendium und setzte über nach Südeuropa, wo sie sich nicht nur künstlerisch weiterbildete, sondern auch einen Mitstipendiaten heiratete. Nach ihrer Heimkehr und der Geburt eines Sohnes (der über 20 Jahre später im Korea-Krieg fallen sollte) begann sie, fast wie besessen, zu arbeiten, zunächst in kleinen Formaten und figürlich. Schon bald hatte sie eine erste und erfolgreiche Ausstellung in der Hauptstadt. Sie nahm wieder Kontakt auf zu dem früheren Mitstudenten, der ihr Leben lang ihr Gesprächspartner und Rivale bleiben sollte. Durch ihn lernte sie einen Maler kennen, der später ihr zweiter Ehemann wurde. Auch als Mutter von Drillingen ließ sie sich nicht von ihrer Arbeit ablenken. Ihre Werke wurden eigenwilliger, abstrakter, verknappten sich mehr und mehr auf Kugel- und Zylinder-, Loch- und Kreisformen. Bei Kriegsausbruch verließ die Familie die Hauptstadt und siedelte sich im äußersten Südwesten des Landes an, wo sie bis zu ihrem Lebensende blieb. Der Höhepunkt ihrer vielen Ausstellungen war, als sie ihr Land auf der Biennale in Venedig vertrat. Sie starb unter tragischen Umständen im Alter von 72 Jahren.

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Eine

selbstbewusste

Künstlerin

8 Ihr war es nicht an der Wiege gesungen, dass sie einmal eine Künstlerin werden sollte. Sie wurde in einem kleinen Dorf als uneheliche Tochter einer Wäscherin geboren, die „der Schande“ wegen mit dem Kind in die Anonymität der Hauptstadt des Landes zog. Schon als Zehnjährige musste sie arbeiten und sich ihren Unterhalt bald ganz allein verdienen. Da die Hauptstadt gleichzeitig auch die Hauptstadt der Kunst war und sie zudem ausgesprochen gut aussah, begann sie als Künstlermodell zu arbeiten. Während dieser Zeit lernte und erfuhr sie so viel über Maltechniken, dass sie beschloss, es selbst mit der Kunst zu versuchen. Begonnen hat sie mit Zeichnungen und Aquarellen, die ihr ein Maler und reicher Bankierssohn abkaufte. Das ermöglichte es ihr, weiter zu malen. Als sie ein uneheliches Kind bekam, musste sie sich zwar wieder sehr einschränken, aber sie blieb bei der Malerei. Auch von ihrem kleinen Sohn, der später berühmt wurde und den sie abgöttisch liebte, ließ sie sich bei ihrer künstlerischen Arbeit nicht unterbrechen. Kurz vor der Jahrhundertwende heiratete sie einen gut situierten Geschäftsmann. Von nun an konnte sie sich ausschließlich ihrer Kunst widmen. Sie malte hauptsächlich figürlich robuste Akte und Porträts, Stillleben und Landschaften in starken Farben. Sie starb einige Monate vor ihrem 73. Geburtstag.

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Eine

verwegene

Künstlerin

9 Sie wurde in Irland geboren, wuchs aber in Indien als Tochter eines britischen Offiziers auf. Nach einer in jungen Jahren gescheiterten Ehe brach sie mit allen damals üblichen Konventionen und beschloss, zur Bühne zu gehen. Sie ging nach Europa, gab sich einen südländisch klingenden Namen und die dazugehörige Nationalität, ehe sie, Mitte zwanzig, in der von ihr angestrebten Kunst Unterricht nahm, mit dem man normalerweise als Kind beginnt. Nach nur fünf Monaten hatte sie ihren ersten Auftritt, der ein Fiasko wurde. Da sie aber außergewöhnlich schön und durchaus talentiert war, geriet das ruhmlose Debüt bald in Vergessenheit. Es folgten Engagements in Europa und Russland. Als sie in einer deutschen Stadt auftrat, begeisterte sie dort nicht nur das Publikum, sondern faszinierte auch den Herrscher des Landes, dessen Mätresse sie sehr bald wurde. Da sie aber auch Einfluss in seine politischen Entscheidungen nahm, was ihr das Volk in gerade sehr unruhig gewordenen Zeiten in deutschen Landen verübelte, floh sie nach England, wo sie einen Offizier heiratete und zog mit ihm nach Übersee. Sie trat weiter auf und war eine gefeierte und überall bekannte Künstlerin. Eine Tournee führte sie sogar auf den fünften Erdteil. Eine weitere Ehe scheiterte. Ihre letzten Lebensjahre verbrachte sie in Amerika, wo sie als Beraterin in Schönheits- und Modefragen und in vielen Wohltätigkeits-Verbänden tätig war. Sie starb im 43. Lebensjahr.

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Ein

barocker

Künstler

10 Religiosität war es, die seinen Vater während eines damals herrschenden Glaubenskrieges gezwungen hatte, ins Ausland zu fliehen. So wurde der Gesuchte in diesem Nachbarland geboren und verbrachte dort einen Teil seiner Kindheit, ehe er nach dem Tod des Vaters mit der Mutter in das Heimatland seiner Familie zurückkehren konnte. Dort erhielt er eine religiöse und humanistische Schulbildung, war als Page in einem gräflichen Haushalt tätig, ehe er als knapp 20-Jähriger mit der künstlerischen Ausbildung begann. Schon wenige Jahre später hatte er eigene Schüler und galt als „Freimeister“. Das nächste Jahrzehnt weilte er in einem südlichen Land, um sich weiterzubilden, war aber bereits schon so angesehen als Künstler, dass man ihn an einen fürstlichen Hof berief. Er kehrte in seine Heimat zurück, heiratete und bildete junge Künstler aus. Dann verbrachte er ein zweites Jahrzehnt auf ausgedehnten Reisen, auf denen er auch als Diplomat tätig war, um für seinen Hof damals wichtige Friedensverhandlungen zu führen und eine aus dem Ausland geflüchtete Königin zu begleiten. Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete er ein zweites Mal und erwarb für sich und seine vielköpfige Familie unter anderem ein Schloss. Die Themen seiner Werke, anfänglich hauptsächlich religiöser, geschichtlicher und mythologischer Natur, änderten sich langsam in späteren Jahren. Er schuf nun überwiegend Landschaften in kleineren Formaten, aber immer noch in der zu seiner Zeit wenig üblichen lebhaften Farbigkeit. Mit nicht ganz 63 Jahren ist er gestorben.

So verschieden wie die Nester mit bemalten Ostereiern sind, so unterschiedlich sind auch die Biografien der zehn Persönlichkeiten, deren Namen es beim traditionellen Osterrätsel des Tagesspiegels zu raten gilt. Gesucht werden jeweils fünf Künstlerinnen und Künstler, die durch ihre Fähigkeiten und Begabungen berühmt oder doch zumindest so bekannt geworden sind, dass sie in jedem guten Lexikon verewigt wurden. Und wie stets hält sich der Schwierigkeitsgrad in der Mitte.

Bitte schicken Sie Ihre Lösung als Postkarte an: Der Tagesspiegel, Redaktion Sonderthemen, Kennwort „Osterrätsel“, 10491 Berlin. Einsendeschluss (Poststempel) ist der 11. April 2005. Sie können Ihre Lösung auch via E-Mail an osterraetsel@tagesspiegel.de schicken. Im Internet finden Sie das Rätsel unter www.tagesspiegel.de/osterraetsel2005. Die Namen all derer, die richtig geraten haben, werden veröffentlicht. Unter ihnen werden 30 Bücher verlost. Wir wünschen viel Spaß beim Raten.

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