Kultur : Eine fast unsichtbare Ausstellung von Pat Binder

Ines Altenrath

Wer an der Ecke Kollwitzstraße / Knaakstraße vorbeikommt, bemerkt vielleicht plötzlich: Da ist ja Kunst! Die steht unscheinbar vor einem blau-weißen Kasten des Sozialen Wohnungsbaus, wo vor dem Krieg das Wohnhaus von Käthe Kollwitz stand. Die Kunst versteckt sich hinter der Scheibe eines gewöhnlichen metallenen Reklame-Leuchtkasten und ist nicht auf den ersten Blick als solche erkennbar. Darum scheint der Titel des großformatigen Siebdrucks von Pat Binder "Augenblick, bitte. . " (bis 15.1.2000) sehr passend; man muss schon etwas genauer hinsehen. Das liegt daran, dass die Künstlerin auf eine effekthaschende Bildästhetik verzichtet. Zum ersten Mal stellt Pat Binder eine eigene Arbeit in dem leuchtenden "Denkzeichen" aus, den sie vor zwei Jahren konzipierte. Die Vorlage, ein Schwarz-Weiß-Foto, färbte sie braun ein und verlieh ihm so warme, unaufdringliche Töne. Kleine Fotos, angeordnet wie zwei Filmstreifen hinter schmalen langen Fensterrahmen, zeigen die Kürze des Augenblicks, der gerade so lang ist wie ein Zwinkern. Viel kann da passieren: Harald Schmidt redet, ein Fußballtor fällt,langsam schließt sich ein Paar Augen. Mutig tritt diese Arbeit mit ihren eigenen Mitteln gegen die Flut der Medienbilder auf der Straße an - und geht dabei vielleicht ebenfalls in der Bilderflut unter. Es sei denn, beim nächsten Vorrübergehen nehmen sich die Passanten wirklich einen Augenblick Zeit.

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