Kultur : Eine Frage der Ehre

Die Deutsche Filmakademie sucht ihre Mitglieder sehr genau aus

Jan Schulz-Ojala

Die Deutsche Filmakademie soll eines Tages Tausende von Mitgliedern haben, aber zugleich, geht es nach ihren Gründern, ein durchaus exklusiver Club bleiben. Nicht jedem „Kabelträger“ stehe die Mitgliedschaft offen, sagte gestern der Anfang September gewählte Präsident der Akademie, Günter Rohrbach, vielmehr müsse das Dabeisein jedem Mitglied eine „Ehre“ bedeuten. So wolle man auch „nicht in wenigen Wochen möglichst viele, sondern die Richtigen“ zur Akademie-Mitgliedschaft bewegen, sagte Rohrbach nach einem Treffen mit Kulturstaatsministerin Christina Weiss.

Bisher hat die Akademie 160 Mitglieder, und bis Jahresende will man die Zahl 500 erreichen, ergänzte der Vorstandsvorsitzende Stefan Arndt. Dabei haben die Akademie-Initiatoren die Zweifel der fast 500 Unterzeichner von zwei Protestbriefen an Ministerin Weiss bisher offenbar nur unzureichend zerstreuen können. Die Filmschaffenden befürchten, dass der künftig von der Akademie auszurichtende Deutsche Filmpreis zu einer „Marketingveranstaltung für den Mainstream“ nach Oscar-Modell verkommt – und somit der kulturellen Filmförderung fundamental widerspricht, an die die Vergabe der Preise (drei Millionen Euro aus Steuermitteln) zwingend gebunden ist. Was, wenn dieses Staatsgeld in die Hände eines Branchenvereins gegeben werde? Rohrbach sagte dazu, ein Großteil jener Unterzeichner komme ohnehin nicht als Mitglied in Betracht. Mit einigen Skeptikern habe man gesprochen, einigen auch Briefe geschrieben. Andererseits gebe es keinerlei „Zwangsvollstreckung“, was eine mögliche Mitgliedschaft angehe, fügte er hinzu.

Unterdessen werden die Regularien, welche Gremien ab 2005 über die Vergabe der Preise entscheiden, offenbar noch heftig diskutiert. So sollten ursprünglich nur die Produzenten die jeweils besten Filme nominieren, nun aber sind – wohl um den Eindruck einer kommerziell orientierten Schlagseite zu vermeiden – in dieser auch finanziell lukrativsten Königsdisziplin die Regisseure und Drehbuchautoren mit im Boot.

Noch ist die Akademie – Weiss lobt sie als „starke Lobby des deutschen Films“ – ganz in ihren Anfängen, ohne Presseabteilung, ohne Büro. Der laufende Betrieb soll sich durch Beiträge der Mitglieder sowie Sponsoren tragen. Vor allem Letztere werden derzeit dringend gesucht.

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