Kultur : Eine für alle

Bilanz der ersten Berlin Art Week.

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Mancher mag die lebensgroße silberne Palme von Peter Rogiers für den Vorboten einer Bling-Bling-Messe à la Miami gehalten haben. Tatsächlich ähnelt das wundersam schimmernde Ding am Eingang zur abc-Schau weit mehr der Berlin Art Week selbst, die vergangene Woche erstmals stattfand und am Sonntag mit vielversprechenden Bilanzen zu Ende ging: Sie ist ein glänzendes Versprechen.

Rund 24 000 Besucher zählte die Verkaufsausstellung abc im alten Kreuzberger Postbahnhof, der inzwischen Station heißt. Sie sahen aktuelle Kunst aus 129 Galerien. Verkäufe meldeten unter anderem Johann König (Corinne Wasmuth), Barbara Weiss (Suse Weber), Figge von Rosen (Ignacio Uriarte), Jan Wentrup (Florian Meisenberg) und Andrae Kaufmann (Guillaume Bruère), wobei der Preis mindestens einer Arbeit bei 120 000 Euro lag. Was zeigt, dass Sammler auf der abc nicht vor größeren Investitionen zurückschrecken. Auch wenn dieser Zwitter keinesfalls Messe sein möchte, ist er doch auf dem Weg, ein Event mit Vorbildcharakter zu werden. Dass mit Maike Cruse nun eine Direktorin engagiert wurde, die mehrere Jahre für die Art Basel gearbeitet hat, weist in eine ähnliche Richtung.

Für Berlin kann es nur gut sein, wenn im dritten Jahr nach dem Wegfall der zentralen Kunstmesse Art Forum ein anderer Player die Funktion des Zugpferds übernimmt. Auch um globale Sammler zu aktivieren. Denn davon braucht die Stadt noch mehr und auch die Preview kann davon zehren, die als Entdeckermesse auf dem ehemaligen Flughafengelände Tempelhof eine ähnlich wichtige Funktion übernimmt. Es mag an den bad news von 2011 liegen, als in die Welt posaunt wurde, Berlin sei kein Messestandort mehr, dass einige nicht wiederkehren wollten. Dabei hätte sie das Programm in diesem Herbst überzeugen können: Man ist auf dem richtigen Weg und arbeitet an einem für die Stadt kompatiblen Programm.

Hier nämlich sorgen nicht wie in London zur Kunstmesse Frieze hektische Fondsmanager für eine überdrehte Stimmung. In Berlin schneidern sich Messen, Museen und Kunstvereine ein passgenaues Konzept und stimmen sich 2013 besser mit den Eröffnungen von Highlights ab. Es soll eine Woche ebenso für den kunstaffinen Studenten wie den Privatsammler werden. Schon diesmal verzeichneten Institutionen wie das Haus der Kulturen der Welt einen spürbaren Besucheranstieg. Intendant Bernd Scherer hat festgestellt, dass sich das Publikum differenzierte und teils „offenbar aus der Käuferschicht der Berlin Art Week“ bestand. „In den neunziger Jahren“, so Scherer, „hatte Kunst einen starken interventionistischen Charakter. Das Kommerzielle hingegen war verpönt.“ Die Berlin Art Week spiegle die Erkenntnis, dass sich beides ergänzen kann: Kunst verkaufen und reflektieren. Christiane Meixner

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