Kultur : Eine geschlossene Welt (Filmkritik)

Silvia Hallensleben

Dieser Film fängt so an, wie die "Lindenstrasse" aufhört. Die Kamera zoomt von einer Straßenecke zurück, und dann biegt von rechts ein Bus um die Ecke. Dahinter verbirgt sich erst und erscheint dann wieder der Ort des Geschehens, auch er eine kleine geschlossene Welt, der Salon "Venus", ein Schönheitssalon.

Anheimelnd strahlt seine Leuchtreklame in die Pariser Nacht. Es ist doch Paris? Die Reklame ist rot. Und überhaupt, wenn man Filme im Farbenspektrum ansiedeln würde wie Erdbeben auf der Richterskala, dann würde "Schöne Venus", der im Original viel schöner "Vénus, Beauté" heißt, dort landen, wo Scharlach und Karmin zu pastelligen Tönen changieren. Rosé und pink, dazu eine heftige Prise blau; hellblau. Genremäßig einsortiert wäre das wohl etwa dort, wo sich das Musical mit dem Melodram trifft.

Leider wird nicht gesungen, geschwelgt aber schon. Drei Frauen arbeiten im "Venus", zwei süße Küken und Angèle (Nathalie Baye), schon in den reiferen Frauenjahren angekommen. Und dann gibt es noch Bulle Ogier als Madame, der Typ französische Kleinbürgerin, den man sonst meist als Puffmutter kennt: Immer ein bisschen zu gepflegt und zu exaltiert, auf der Suche nach Männern auch sie, aber diskret.

Wenn die Mädchen nicht gerade im Hinterzimmer über Körperausdünstungen und Pickel debattieren, verpassen sie ihren Kundinnen Phytoplutot-Ampullen (oder so ähnlich) und verjüngende Massagen. Der Salon ist der Rahmen. Doch in diesem Film geht es mehr um die Liebe, etwas auch um das Altern und weniger nur ums Geschäft. Und es geht um Angèle. Die lernen wir kennen, als sie einem jungen Mann im Café gerade die gegenseitige Seelennähe vordekliniert. Er aber, genervt, sucht nur den Absprung. Drei Nächte waren schön, und sind genug.

Angèle hat kein Glück mit den Männern. Manche Filme, oft aus Frankreich, besingen solch Liebeslust und -leid von Frauen um die Vierzig. Es ist immer ein Genuss, auch Frauen am Rande des Gebärvermögens als romantische Heldinnen zu sehen. Speziell, wenn sie so bockig und zugleich zerbrechlich wirken wie hier Nathalie Baye, die zudem bald in einem anderen, ungleich eleganteren Film ("Eine pornografische Beziehung" von Fréderic Fonteyne) brillieren darf.

Die Männer sind untreu und schlecht. Doch dann sagt da einer Angèle, er sei ihr verfallen auf Anhieb: "Ich bin verliebt und ich heiße Antoine". Und sieht nicht mal schlecht aus. Ja, da kann man nur noch nein sagen. Genau das tut Angèle. Aber nicht gründlich genug.

Nein, elegant ist "Schöne Venus" nicht. Eher waltet hier ein roher Charme. Die französische Regisseurin Tonie Marshall, die zuletzt mit ihrer herzerfrischend schnoddrigen "Detektivin" erfreute, überzeugt hier vor allem durch ihre sympathische Protagonistin. Die Story klappert leider gewaltig, und tappt mitunter in romantisch-erotische Klischees. Und wie die Geschichte mit Antoine ausgeht, das traue ich mich gar nicht, Ihnen zu erzählen.Astor, Central, Cinemaxx Colosseum, Cinemaxx Potsdamer Platz (OmU), Kant, Passage

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