Kultur : Eine Lageanalyse, die Politik am Reißbrett skizziert

Claudia Lepping

Es ist ein konsequentes Buch, und das ist angesichts der schwierigen Balkan-Thematik keine Selbstverständlichkeit. Rainer Mennel will Antworten geben - und dabei seine politische Analyse mit Detailwissen aus der "Politischen Geographie" und der Geostrategie untermauern. Herausgekommen ist eine Lageanalyse, die Politik am Reißbrett skizziert. Ein interessanter Ansatz, der mit umfangreichem Karten- und Zahlenmaterial aufwartet. In diesem Kontext wohl schlüssig ist Mennels Vorschlag, das heutige Staatsgebiet Bosnien und Herzegowina aufzuteilen: den Westen der kroatisch-moslemischen Föderation an Kroatien und die serbische Teilrepublik Republika Srpska an Serbien anzugliedern - und den moslemischen Bosniaken zumindest den Handelsweg zur Adria zu eröffnen. Damit hätten Kroaten und Serben ihr Kriegsziel erreicht. Und damit stellt Mennel sämtliche Versuche der internationalen Gemeinschaft in Frage, Südosteuropa über den Transformationsprozess "Wandel durch Handel" an demokratische, soziale, aber auch wirtschafts- und sicherheitspolitische Normen der EU heranzuführen. Zugleich wirft Mennel der internationalen Gemeinschaft vor, die Psychologie des Balkans nicht verstanden, das Falsche aus ihrem historischen und geostrategischen Unterbau abgeleitet zu haben. Aber wird die Irrationalität des Balkans, die ausgeprägte Neigung, jedweden Konflikt durch Kriege und Massaker zu lösen, dadurch gelindert, dass der Raum den Nationalisten preisgegeben wird?

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