Kultur : Eine Leber, ein Leben

KINO

Daniel Völzke

Deformierte Körper haben es schwer im Kino: Sie kriechen und humpeln durch Horror-, Drama- und Science-Fiction-Filme; nur als Außerirdische dürfen sie auch komisch sein. Nun zeigen Bobby und Peter Farelly in Unzertrennlich , wie ein siamesisches Zwillingspaar das Leben meistert – als Komödie. Schon in „Dumm und Dümmer“, „Verrückt nach Mary“ und „Schwer verliebt“ nahmen sie den hässlichen Körper zum Lachanlass, ohne auf Moral zu verzichten. Und auch jetzt vermeiden sie jede Tragik: Ihre Protagonisten begreifen es nicht als Makel, an der Taille zusammengewachsen zu sein. In der Küche ihres Fast-Food-Restaurants bilden sie eine vierhändige Burger-Maschine, als Boxer eine Armada, im Eishockey-Tor eine uneinnehmbare Zwingburg. Dennoch hat jeder der Brüder seinen eigenen Kopf. Walt ( Greg Kinnear) markiert den weltgewandten Charmeur, Bob (Matt Damon mit ungeahnt komödiantischem Talent) versagt dagegen stotternd bei den Frauen. Weil die Brüder geschworen haben, einander nie im Weg zu stehen, unterstützt Bob sogar Walts Schauspielleidenschaft, klebt auf der Bühne als schweißnasser Schatten an seinem Zwilling und leidet. Später, in Hollywood, treffen sie andere skurrile Gestalten, Cher beispielsweise, die sich mit allerhand Allüren selbst parodiert.

Die Farrellys gehen wunderbar leicht mit der Materie um. „Unzertrennlich“ ist nie Freakshow, herzlich, aber nie kitschig. Und das Musicalfinale übermittelt die zutiefst amerikanische Botschaft: Jeder kann es schaffen – wenn er eine Familie hat, an die er sich anlehnen kann. (In 16 Berliner Kinos, OV im Cinestar Sony-Center)

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