Kultur : Eine Liebe zu Potsdam

Zum Tod der Autorin Erika von Hornstein

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Unterm Pflaster liegt der Strand und unter unserer hastigen Gegenwart die Verwerfung vergangener, noch nachschmerzender Welten. Erika von Hornstein, geboren 1913, erlebte als Kind noch Preußen, wo es sein Ende überlebte: in Potsdam. Umfeld der abgedankten Hohenzollern – der gefallene Vater war Gardeoffizier, der Stiefvater Flügeladjutant des Kaisers. „Adieu Potsdam“ hieß eins ihrer Bücher: Niemand hat die versunkenen Schichten der Berliner Schwesterstadt nach der Wende einfühlsamer zurückgeholt. Aber da waren längst andere Welten und Erfahrungen. Erst die Leidenschaft für das Malen. Die Inspiration durch Karl SchmidtRotluff und Carl Hofer, beide im Dritten Reich verfemt, hat sie ihr Leben lang begleitet. Dann die sowjetische Besatzung, die deutsche Teilung, erlebt im Ringen um eine zur Demontage bestimmte Mecklenburger Papierfabrik, die ihr Mann leitete.

Schließlich, von West-Berlin aus, die Zeugenschaft für die Nachkriegszeit, ihre Zerrissenheiten und Abgründe. „Andere müssen bleiben“, „Der gestohlene Phönix“, „Die deutsche Not“ hießen ihre Bücher. Über letzteres aus dem Jahr 1960 schrieb Uwe Johnson, dass die Geschichtsschreibung den Alltag dieser Jahre wohl nicht festhalten könne. Aber von Hornstein bewahre „Sekunden und Verhältnisse und Gefühle“. Später drehte sie vor allem TV-Dokumentationen.

Noch vor fünf Jahren schrieb sie ihre Erinnerungen an Schmidt-Rotluff und Hofer nieder: „So blau ist der Himmel“, ein frischer, liebenswürdiger Blick zurück auf das Berliner Kunstleben „in schwerer Zeit“, wie die Preußen gesagt hätten. Rüstig, diszipliniert war sie immer wieder auf Gesellschaften zu Gast, lebendiges Zeugnis des früheren Potsdam-Berlin. Letzte Woche ist Erika von Hornstein mit 91 Jahren gestorben. Rdh.

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