Kultur : Eine Mitte, bitte

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Wir schreiben das Jahr 2023: Hertha BSC ist zum dritten Mal Deutscher Fußballmeister geworden. Wunderbar, doch es gibt ein Problem: Wo soll man die siegreiche Mannschaft feiern? Anders als München, Hamburg oder Frankfurt hat Berlin keinen großen Rathausplatz. Zukunftsmusik, werden viele denken. Aber für Florian Mausbach ist die Zukunft entscheidender Teil seines Berufs. Der 66-jährige Stadtplaner vermisst nicht nur einen schönen Platz vor dem Roten Rathaus. In seinem provokanten Buch „Ideen für Berlin: Bausteine für eine Metropole“ hat er seine wichtigsten Essays und Entwürfe für die Hauptstadt zusammengestellt. Zwischen 1995 und 2009 war Mausbach als Präsident des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung maßgeblich beteiligt an den Berliner Regierungs- und Parlamentsgebäuden. Diese Jahre waren prägend für das heutige Stadtbild, insbesondere im Bezirk Mitte.

Mittlerweile sei die Stadt ein wenig eingeschlafen, was die Bebauung angehe, beklagt Mausbach. Wie wird Berlin sich weiterentwickeln? Was soll mit der Gegend um den Hauptbahnhof – für Mausbach „Kristallisationspunkt der Zukunft“ – geschehen? Entscheidend ist für den Architekten die Rolle des Großflughafens Berlin Brandenburg. Er werde eine neue Ära einläuten, da Berlin mit ihm seinen Radius nach Osteuropa erweitern werde. Auch was den ehemaligen Flughafen Tempelhof angeht, hat Mausbach eine Idee. Wenn es nach ihm ginge, würde in den Hangars und der Abfertigungshalle ein Luft- und Raumfahrtmuseum entstehen.

Noch wichtiger ist Mausbach die Schaffung einer „staatsbürgerlichen Mitte“ zwischen Fernsehturm und Schlossplatz. Außer einem Rathausplatz fehle ein Freiheits- und Einheitsdenkmal, das an den Bürgermut der friedlichen Revolutionäre von 1989 auf zeitgemäße Weise erinnere. Der Wettbewerb zur Gestaltung eines solchen Denkmals scheiterte in der ersten Runde. Nun läuft die zweite und Mausbach – einer der Väter der Idee – hat selbst einen Vorschlag unterbreitet. Als Ort schwebt ihm der wilhelminische Sockel vor dem Staatsratsgebäude vor. Dort soll eine Skulptur mit den beiden Schriftzügen „Wir sind das Volk“ und „Wir sind ein Volk“ in der Form eines Spruchbandes errichtet werden, das von lebensgroßen menschlichen Figuren gehalten wird.

Die offiziellen Ergebnisse des Wettbewerbs sollen am Tag der Deutschen Einheit im Gropius-Bau ausgestellt werden. Auch wenn es noch dauern wird, bis die Pläne umgesetzt werden: Hertha darf ruhig vor der Fertigstellung des Rathausplatzes Deutscher Fußballmeister werden.

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