• "Eine Nacht in New York" spielt den Extremfall durch, den Supergau und das ganz persönliche Trauma der Regisseurin. Exzellent besetzt obendrein.

Kultur : "Eine Nacht in New York" spielt den Extremfall durch, den Supergau und das ganz persönliche Trauma der Regisseurin. Exzellent besetzt obendrein.

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Wer immer noch nicht weiß, was er am drohend nahenden Jahreswechsel, Jahrzehntwechsel, Jahrhundertwechsel, Jahrtausendwechsel unternehmen soll, dem wird Risa Bramon Garcias Komödie "Eine Nacht in New York" wohl endgültig den Mut nehmen. Oder wollen Sie vielleicht, wie Monica, allein in der dekorierten Wohnung sitzen und auf Gäste warten, die nicht kommen? Wie Val extra aus dem Vorort in die große Stadt fahren, um dort festzustellen, dass die erhoffte Party gar nicht stattfindet? Wie Cindy erfahren, dass der Mann, der ihr letzte Nacht die Jungfernschaft geraubt hat, ein hemmungsloser Verführer ist? Oder wie Eric von diversen Ex-Freundinnen mit der Tatsache konfrontiert werden, dass er der schlechteste Liebhaber der Welt ist?

"Eine Nacht in New York" versammelt alle Katastrophen, die mit Silvester überhaupt nur verbunden werden können. Der Film verarbeitet ein Trauma der Regisseurin: Silvester 1981 wartete sie vergeblich auf ihre Partygäste, stürzte sich dann downtown ins Getümmel und als sie nach Mitternacht in ihr Loft zurückkehrte, tobten dort 200 Gäste, von denen sie die meisten noch nie gesehen hatte. Eine ähnliche Dynamik gibt sie ihrem Film mit: Verknüpft durch das bewährte Motiv des aufmerksamen Taxifahrers bewegen sich fünf Paare durch die Nacht, um am Ende allesamt glücklich auf der gleichen Party und irgendwie gemischt beieinander zu landen. Nur die hoffnungsvolle Gastgeberin Monica verschläft selbst den Auftritt ihres Stars Elvis Costello.

Etwas von dem Charme eines großen, verstreuten Freundeskreises hat Garcia in ihr Drehbuch hinübergerettet und die ausgeprägten Charaktere mit herausragenden Schauspielern besetzt. Courtney Love und Paul Rudd liefern sich als "gute alte Freunde" Lucy und Kevin ein hinreißendes Beziehungsduell, bis sie entdecken, dass sie füreinander bestimmt sind. Independent-Star Christina Ricci gibt dem Teenager Val aus Long Island den ganzen Lebenshunger einer behüteten Kleinstadtgöre. Ben Affleck ist der umschwärmte Barkeeper, der sich als kreuzbraver Jurastudent herausstellt. Und Kate Hudson als Spätzünderin Cindy stürzt sich mit jedem Mut zur Peinlichkeit in ihre Rolle. Sie alle bilden einen quirligen Reigen eigensinniger Persönlichkeiten.

Da schadet es auch nichts, dass die Regisseurin eigentlich ein Porträt der 80er Jahre im Sinn hatte. Sicherlich, das Szeneviertel East Village war damals vielleicht noch etwas gefährlicher und wilder, die Mode etwas schriller, die Sitten vor der Zeit von Aids freizügiger. Elvis Costello und Courtney Love, die beide in dem Film mitwirken, waren die Protagonisten des Rock wie der dazugehörigen Szene. Die aber wird in "Eine Nacht in New York" nicht wirklich porträtiert. Und was die Maßstäbe für Silvesterparties betrifft: Auch wenn Sie für Ihr geplantes Fest nicht ganz so viele Freunde zusammenbekommen: Feiern sollten Sie unbedingt. Es muss nicht unbedingt New York sein.Cinemaxx Potsdamer Platz, Moviemento, Filmbühne Wien, UFA-Palast Treptower Park

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