Kultur : Eine Pasta mit Cora Frost

CHRISTINA TILMANN

TAGESSPIEGEL: Nach Ihrem Loblied auf die "Würstel-Elli" hätte ich eher erwartet, daß wir zur Imbißbude an der Ecke gehen.Stattdessen sitzen wir nun beim Italiener.

FROST: Ich bin halt spaghettisüchtig.Mein Italiener hier um die Ecke, der macht die besten "Spaghetti arrabiata", die ich kenne.Und hat auch nachts auf.Spaghetti kann ich schon zum Frühstück essen.Das verträgt sich mit dem Wein vom letzten Abend.

TAGESSPIEGEL: Beim Italiener essen Sie am liebsten.Wo treten Sie am liebsten auf?

FROST: Erst bin ich in der Bar jeder Vernunft aufgetreten, im Nachtsalon.Aber mit der Bar jeder Vernunft ist das schwierig.Die wollen ihr Haus jeden Abend voll ausverkauft haben.Da war ich irgendwann wohl zu riskant.Aber der Tränenpalast, das ist ein interessanter Ort.Entweder, es wird dort ganz wunderbar, oder ganz schrecklich.Der Tränenpalast ist eigentlich gar kein Konzertsaal, so am Fluß, und man hört die S-Bahn, das ist Berlin.Und sie haben gute Programme nach den Konzerten.Wenn ich gesungen habe, und danach ist die Übertragung eines Boxkampfes, das ist schon gut.

TAGESSPIEGEL: Sie leben jetzt fünf Jahre in Berlin.Manchmal noch Heimweh nach München?

FROST: Ich habe da viele Freunde, die ich gern besuche.Aber die Stadt an sich ist fertiggebaut, die ist abgeschlossen.Den Himmel in München finde ich so klein, ich habe immer so das Gefühl, die Stadt paßt in ein Weißbierglas hinein.In Berlin ist der Himmel viel weiter.Aber ich bin gern Tourist in München, ich geh dann immer in die Bierlokale und eß Schweinebraten, was ich früher nie gemacht hab.

TAGESSPIEGEL: Auch mal aufs Oktoberfest?

FROST: Da ist es ganz schön morgens um elf, da sitzen dann die Promis im Festzelt und essen Haxen.Und außerdem fahre ich gerne Autoscooter.Ich habe ja keinen Führerschein, aber beim Autoscooter habe ich die Illusion, ich könne autofahren.Da kann man den Arm um jemand legen und sich wichtig machen.

TAGESSPIEGEL: In zwei Monaten waren Sie in Rudolf Thomes Film "Tigerstreifenbaby wartet auf Tarzan" in Ihrer ersten Filmrolle zu sehen.Zufrieden mit dem Auftritt?

FROST: Als ich den Film im Kino gesehen habe, das war ganz grauenhaft.Gemeinsam mit vielen anderen im Kino zu sitzen und sich selbst auf der Leinwand zu sehen, das hat so eine komische Intimität.Man kann gar nichts mehr steuern, weil man nicht direkt auftritt.

TAGESSPIEGEL: Gerade ist Ihr Buch "Mein Körper ist ein Hotel" bei dtv erschienen.Gab es einen Anlaß?

FROST: Ich habe eigentlich gar nicht so viel von mir zu erzählen.Daher wollte ich zuerst nur Aphorismen, Lieder, Gedichte und Geschichten in dem Buch haben.Aber der Verlag wollte etwas Autobiographisches, das ist ja im Moment Mode, alle Kleinkünstler schreiben Autobiographien.Also habe ich nachts im Bett angefangen, mit mir selbst zu reden, und das Ganze aufgenommen.Und habe entdeckt, daß ich das eigentlich ganz gut fand: So direkt, so offen bin ich ja sonst eigentlich nicht.

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