Kultur : Eine Reise nach Rom von Clemens Klopfenstein

Kerstin Decker

Onkel Wanja im Mittelmeer. "O, wie ich sie hasse!" Jetzt bloß kein Wasser schlucken. Wer hat Onkel Wanjas Leben geschluckt? Onkel Wanja macht Wellen vor Rimini. Von weitem muss er aussehen wie ein Ertrinkender. Und "Die Jungfrau von Orleans" nur noch im Auto? Schon riskanter. Manche Autofahrer reagieren sehr unerfreulich auf Heilige Jungfrauen mit überzogenem Geltungsanspruch. Und stehen Textzeilen wie "Musst du immerzu hupen? Musst du dich so gehenlassen?" wirklich bei Schiller?

Bei dem Schweizer Clemens Klopfenstein müssen alle nach Rom. Nur dass kein Weg so richtig hinführt. Jene, die den "Onkel Wanja" lernen müssen, verfahren sich. Und die anderen, die "Macbeth" üben, auch. Oder "Den gefesselten Prometheus". Man kann natürlich auch "Wer hat Angst vor Virginia Woolf" proben und die falsche Abfahrt nehmen. Hat schon mal einer einen Film gemacht über Schauspieler, die nach Rom fahren und dabei ihre Rollen lernen? Clemens Klopfenstein ist der Erste. Wahrscheinlich auch der letzte. Denn, und da würden sicher die Heilige Johanna, Macbeth und Prometheus sofort zustimmen: Jeder Mensch oder Halbgott braucht ein Ziel. Genau wie ein Film. Ist Rom ein ausreichend dramatisches Ziel? Ist Rom eine Klammer? Und wie sie zwischendurch immer mit dem Goethe-Institut dort telefonieren! Sagen wir es so: Es ist schön, Bruno Ganz zuzusehen, wie er den Prometheus lernt. Prometheus, der Feuergott, im Schnee mit entflammbaren Worten. Theater mit Landschaft.Heute 19.45 Uhr (CineStar8), morgen 14.45 Uhr (Arsenal).

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