Kultur : Eine schwierige Entscheidung

(Ausführlicher Bericht morgen im Kulturteil)

Lars von Trier hatte am meisten Aufsehen erregt, aber ein rundum überzeugender Film fehlte auf dem Festival

Die Jury der Filmfestspiele in Cannes hatte am Sonntag keine leichte Entscheidung. Denn "perfekte Filme", die eine starke Geschichte berührend erzählen, überzeugend inszeniert und gespielt sind und vielleicht auch noch etwas niemals Gesehenes zeigen, standen kaum zur Auswahl.

Da war es vor allem der Däne Lars von Trier, der für Aufsehen sorgte. Sein ungewöhnliches Musical "Dancer In The Dark" ist kein Meisterwerk, aber ohne Zweifel der Film, der durch heftige Emotionalität kaum jemanden kalt ließ und den meisten Gesprächsstoff an der Croisette lieferte. Den Gegenpol zur exzessiven Sentimentalität von "Dancer In The Dark" bildete der japanische Film "Eureka". Von ihm geht eine enorme Energie und innere Ruhe aus. Viel Gelassenheit verlangt das Werk mit seiner Länge von drei Stunden und 37 Minuten allerdings auch vom Publikum.

"Die Geschichte ist wie ein Gebet für den modernen Menschen, der nach der Kraft sucht, weiterleben zu können", sagt der Regisseur Aoyama Shinji über "Eureka". In hypnotisch schönen Schwarzweiß-Bildern verfolgt er die einzigen Überlebenden einer Busentführung, den Fahrer und zwei Schulkinder. Wie sie das Trauma dieser plötzlichen Katastrophe verarbeiten, ist inhaltlich und visuell perfekt als elegisches Road Movie inszeniert.

Bei der Preisvergabe sprang Catherine Deneuve für Kim Basinger als Moderatorin ein. Basinger war dem Festival ferngeblieben. Ihr Film "I dreamed of Africa" war lediglich eine schnulzige Version von "Out of Africa". Viele Stars brachte das Festival auch diesmal zusammen. Außer den bereits Genannten wurden unter anderen gesehen: Die islandische Sängerin Björk, Star des Films von Lars von Trier, die kanadische Schauspielerin Jessiva Pare, die in dem französischen Film "Stardom" von Denys Arcand spielt, Charlize Theron aus "The Yards", Diana Hayden aus "Code Unknown" und die französische Sängerin Ophelie Winter.

Von den Filmen mit aktuellen Storys brachte Michael Hanekes "Code inconnu" mit Juliette Binoche die Themen von Cannes am ehesten, aber auch sehr beliebig zusammen: Unter dem Leitmotiv gescheiterter Kommunikation überfliegt der Österreicher in zufällig wirkenden Episoden Armut, Verzweiflung, Gewalt, Medien, Rassismus und Generationenkonflikte.(Ausführlicher Bericht morgen im Kulturteil)

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