• "Eine unsentimentale Zärtlichkeit" bescheinigt Henry Miller den Fotografien Inge Moraths

Kultur : "Eine unsentimentale Zärtlichkeit" bescheinigt Henry Miller den Fotografien Inge Moraths

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Henry Miller schrieb das Vorwort für diesen erstaunlichen Bildband. Inge Moraths Fotografien, erklärt er, zeigen die portraitierten Künstler und Schriftsteller nicht als Neurotiker. Obgleich sie das doch alle seien! "Sie drückt niemandem ihren Stempel auf", schreibt Miller. "Ihre Bilder haben eine unsentimentale Zärtlichkeit - keine Spur von Aggression dem Sujet gegenüber." Der Blick der Fotografin und Reporterin Inge Morath, die 1923 in Graz zur Welt kam, ist jeder des amerikanischen Foto-Humanismus der Fünfziger Jahre, und er berührt uns immer noch. Ihre schlichten und klaren Portraits faszinieren, als stünden wir selbst dem Gegenüber gegenüber, das Morath mit der Kamera erfasst. Und trotzdem behalten wir Distanz. Der Fotografierten, ob Roy Liechtenstein oder John Updike, Igor Stravinsky, Jean Cocteau oder Alexander Calder, keiner verliert seine Würde, und wir können auch nicht psychologisch "in das Objekt hineinblicken". Inge Moraths Kamera wird nie zur Waffe. Und sie wird nie zum kosmetischen Instrument, das ein Bild für einen silbernen Rahmen auf der Konsole der Ewigkeit konstruiert. Inge Moraths Blick auf den Anderen formuliert wie eine freundliche Frage: Und wer bist Du? Die Antwort wird nie ganz gegeben, ein Teil bleibt absichtlich offen. Der Fotoband (Otto Müller Verlag, Salzburg, 2000. 128 Seiten, 104 Fotos. Text deutsch und englisch. 69 Mark) lässt die Bilder fast allein für sich sprechen, fügt nur Millers Text und zwei kluge, kleine Texte hinzu, einen von der tschechischen Kuratorin Anna Farova, einen von Robert Delpire, Moraths erster Verleger und ehemals Leiter des "Centre National de la Photographie" in Paris. Delpire war mit Morath auf Reisen im Iran. Eindringlich skizziert er ihre Präsenz als Reporterin, - und seine eigene Begeisterung angesichts der eleganten "Einfachheit der Komposition" ihrer Bilder.

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