Kultur : Eine Weinschorle mit Meret Becker

TAGESSPIEGEL: Sind Sie ein Nachtschattengewächs, Meret Becker?

BECKER: Ich mag den Tag auch gern.Wer nur nachts lebt, sieht ja die Sonne nicht mehr.Die Nacht ist ein irrealer Zustand.Man verliert das Zeitgefühl, es wird still um einen.Man ist schattenlos ...

TAGESSPIEGEL: ...und kann unerkannt in verschiedene Rollen schlüpfen, als Lolita oder Diva das Publikum verwirren.

BECKER: Ich mache mir darüber keine Gedanken, ich mache das einfach.Journalisten werden dann immer recht blumig und wollen mich in eine Schublade stecken.Mein Traum wäre, mal einem Auftritt von mir zuzugucken, mich in diesem Augenblick auf der Bühne zu sehen, live.Ich würde gerne wissen, welche Ausstrahlung ich habe und ob ich die mögen würde.Ich arbeite daran.

TAGESSPIEGEL: "Wenn ich groß bin, werde ich Diva", haben Sie einmal gesagt.Wie groß ist Meret Becker denn schon?

BECKER: Ich begreife mich nicht als Diva.Es gibt Frauen, die würde man als Vamp bezeichnen, die waren schon immer erwachsen, andere wirken immer etwas kindlicher.Dazu würde ich mich zählen.Ich glaube, ich werde einmal zu einer Dame werden.

TAGESSPIEGEL: "Es wird nicht jede Diva oder Femme fatale, manche altern sehr banal", heißt es auf ihrer neuen Platte.Haben Sie davor Angst?

BECKER: Dafür ist mein Lebensstandart wohl zu hoch und ich bin zu realistisch.Schließlich werde ich Familie haben und Kinder sind dazu da, ihre Eltern zu versorgen.Das hat mir Otto (Stiefvater Otto Sander, d.Red.) immer eingebleut.Angst vor dem Tod habe ich schon.Die Lebens-Stationen rauschen sehr schnell vorbei.Ich glaube das Alter um die fünfzig wird richtig hart.

TAGESSPIEGEL: Vorher werden Sie aber ersteinmal Mutter, im Februar.Ist deswegen Ihr Wein so wässrig?

BECKER: Ja, am Anfang habe ich gar nichts getrunken, da wird einem auch richtig schlecht.Inzwischen schmeckt es schon wieder, leider.Ich hoffe ich halte mit dem Nicht-Rauchen durch.Ist auch ganz toll für die Stimme, ich singe im Augenblick wie ein Engel.

TAGESSPIEGEL: Ihr Album trägt den Titel "Nachtmahr" und bietet dementsprechend Haarstäubendes.Würden Sie Ihrem Kind daraus vorsingen?

BECKER: Obwohl es von den Liedern viel mitbekommen hat im Bauch, ziehe ich das Brechtsche "Eiapopeia" vor.Das habe ich früher auch immer gehört.Später wird dann auch interessant, was Mutter so macht.

TAGESSPIEGEL: Ich habe Sie mir viel alberner vorgestellt.

BECKER: Soll ich auf den Tisch springen?

TAGESSPIEGEL: Ach nein.

BECKER: Zusammen mit meinem Bruder Ben kann ich schon sehr albern sein, wir sind so richtig schreckliche Geschwister.Aber auf Knopfdruck einen Witz erzählen, das kann ich nicht.Das passiert immer aus Versehen.

Meret Beckers neues Album "Nachtmahr" (Philips) ist dieser Tage erschienen, die für November geplante Tournee wurde auf nächsten Sommer verschoben.Das Gespräch führte Ulrich Amling

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