Kultur : Einheitsstifter

Werner Knopp feiert seinen 80. Geburtstag

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Ullstein-BildFoto: ullstein - Fromm

An diesem Sonnabend repräsentiert er noch einmal in der Villa von der Heydt – dem Haus, in dem er viele Jahre als Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz residierte. Dort wird Werner Knopp dank des Entgegenkommens seines Nach-Nach-Nachfolgers Hermann Parzinger seinen 80. Geburtstag feiern, den er am Montag beging. Er hat das Amt so lange wie kein anderer geführt, zwanzig Jahre und sechs Monate. Eine der wichtigsten Stiftungs-Epochen war es außerdem. In Knopps Amtszeit fiel die größte Herausforderung der Stiftung – die deutsche Einheit, aus der sich die Aufgabe der Wiedervereinigung des preußischen Kulturerbes nach vierzig Jahren Spaltung ergab.

Knopp kam 1977 als Jurist und Universitätspolitiker an die Spitze des größten, in seiner Vielfalt einzigartigen Verbundes von Museen und Forschungsinstituten. Der vielversprechende Mann übernahm ein Amt, von dem man im alten West-Berlin witzelte, dass es fast auf der Höhe der Stadtkommandanten platziert sei. Eine Institution in Berlin ist der Stiftungs-Präsident Knopp immer geblieben. Dabei hat er sich mit einer Position nie breitgemacht, sondern sie mit zurückhaltender Souveränität ausgeübt.

Aber das versteht sich fast von selbst bei einer Persönlichkeit, für die sich, wie für Knopp das Epitheton feinsinnig nachgerade aufdrängt. Knopp hat andere Stärken, und er hat sie geltend gemacht: Diplomatie, juristische, lösungsorientierte Intelligenz und eine stupende Bildung. Dazu kommt der höchst lebendige Geschichtssinn des überzeugten Braunschweigers. In ihm mischt sich die fundierte Kenntnis der preußischer Geschichte mit einer alles andere als martialischen, vielmehr stillvergnügten Zuneigung zur Militärgeschichte.

„Konsens als Lebensprinzip der Stiftung“ hat er sozusagen im Nachhinein seine Amtszeit überschrieben, so programmatisch wie mahnend, in der Rede, mit der er sich 1998 von der Stiftung verabschiedete. Was damit gemeint war, ist, unter anderem, an dem in seiner Ägide 1996 beschlossenen Abkommen über ihre Finanzierung abzulesen: ein Balanceakt, mit dem der überzeugte Föderalist die Länder bei der Stange hielt – auch weil er den gewachsenen Sachverstand achtete, den die Länder-Administrationen in die Stiftungstätigkeit einbrachten. Es trägt die Arbeit der Stiftung noch immer.

Aber Knopps ruhige Kraft der Vermittlung und der Integration ist auch der Vereinigung der Stiftung zugute gekommen, die eine Verschmelzung sein musste und nicht ohne Opfer abgehen konnte. Es war eine der schwierigsten Operationen der Wendejahre, doch die Stiftung hat sie rascher als andere vollzogen. Das ist nicht zuletzt Knopps Verdienst. In der großen, dramatischen Geschichte der Vereinigung Deutschlands und Berlins sichert ihm das eine ehrenvolle Seite. Rdh

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