Kultur : Einstürzende Neubauten

FORUM „Sweet Food City“ von Gao Wendong

Christiane Peitz

Verkommen ist gar kein Ausdruck. Dieses Viertel in der nordchinesischen Stadt Dalian trägt zwar einen verheißungsvollen Namen, aber der trügt. „Mei shi cun“ („Sweet Food City“), das sind einstürzende Neubauten und Hochhausskelette, plastikverklebte Fensterhöhlen, bröckelnde Fassaden, blätternder Putz, überall Dreck, Schlamm und Schutt. Ein verwüsteter Ort, in dessen Ritzen und Nischen dennoch das Leben nistet. Die Bewohner richten sich ein, mit Sperrmüll auf blankem Beton, hier flattert Wäsche, dort spielt man Mahjong, und die Nachbarn feiern ein Fest. Wie Unkraut sprießt die Gewalt, die Trostlosigkeit – aber auch eine zarte Liebe. Die Prostituierte Tingting und der junge, scheue Sanbao bauen sich mitten in der Unwirtlichkeit dieser Stätte ein provisorisches Nest; man kocht gemeinsam, teilt sich geschwisterlich das Bett und sorgt sich um Sanbaos gebrechlichen Vater.

Regisseur Gao Wendong streunt mit seiner Digi-Beta-Kamera durch Sweet Food City und siedelt seine Erzählung zwischen dokumentarischen Alltagsszenen an. Eine mitunter mühsam elliptische Story mit extrem aufgepixelten Bildern, kargen Andeutungen und losen Enden. Ein Film, so zerzaust und unbehaust wie seine Protagonisten. Christiane Peitz

Heute 15 Uhr (Cinestar 8), 15. 2., 17.30 (Arsenal 1), 16. 2., 19 Uhr (Delphi), 17.2., 15 Uhr (Cubix 7)

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