Kultur : Einzelanfertigung - Im Quasimodo

H. P. Daniels

Sechs lange Jahre liegt Richard Thompsons unvergesslicher Auftritt zurück, im Vorprogramm von Bonnie Raitt. Endlich wieder in Berlin erweist sich das Quasimodo als idealer Auftrittsort für den fabelhaften Singer-Songwriter-Gitarristen und für seinen einzigen Begleiter Danny Thompson. Der hatte seinen Kontrabass in den 60ern bei der Folk-Jazz-Gruppe Pentangle gezupft, während Richard mit Fairport Convention den britischen Folkrock kreierte. Auf der intimen Quasimodo-Bühne spielt er nur akustische Gitarre. Und es ist eine Freude, ihm zuzuhören und zuzuschauen. Sein Spiel ist virtuos, ohne dass er auch nur geringstes Aufheben darum macht. Steht da im schlichten schwarzen T-Shirt, mit Baskenmütze und kurzgeschorenem Graubart, erzählt seine Geschichten, in den Songs und dazwischen, lacht, hat sichtlich Vergnügen. Schließt die Augen und zupft seine Gitarre, mit Plektrum und Fingern gleichzeitig, dieser grandiosen Technik, die jedoch nie den Ausdruck der Musik erschlägt. Aus den Saiten flirren und schwirren warme Folkmelodien, kühle Jazzklänge und trocken harter Rock. Süße Melancholie und schiere Lebensfreude, Tempo und Behäbigkeit, schwerer Ernst und leichter Humor. Lautstärke und Stille. Lässigkeit und Disziplin. Konzentration und Gelöstheit. Mehrere Jahrzehnte Musikgeschichte sind auf angenehme Weise verquickt zu einem unverwechselbaren Stil. So unverwechselbar wie auch die ausdrucksstarke Bariton-Stimme des 51-jährigen Londoners. Höchst inspiriert klingt der Querschnitt aus Songs der letzten Jahre und denen vom letzten Album "Mock Tudor". Nach zwei Stunden überwältigender Applaus für ein überwältigendes Konzert. Bitte, Mister Thompson, lassen Sie uns nicht wieder sechs Jahre warten!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben