Kultur : Eisenbahnmusik

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ALL THAT JAZZ

Christian Broecking über

eine Sehnsucht namens Blues

Der Blues ist Stoff zum Leben. Er ist von der Art, wie deine Mutter kocht, sagt Archie Shepp. Der Saxofonist hat die Fire Music der Sechzigerjahre mit Blues abgefüllt, bis man sie atmen konnte. Umgekehrt, wenn man so möchte, lief es bei dem Gitarristen und Sänger Otis Taylor. Er berichtet, dass sein Vater bei der Eisenbahn arbeitete und eigentlich immer mit Jazzleuten herumhing. Er sei Sozialist und ein echter Bebopper gewesen. Otis Taylor, der seine Musik ausdrücklich als „revolutionär“ verstanden wissen will, macht politisch bewussten Blues über die großen Themen des schwarzen Amerika: Sklaverei, Rassismus und schwarze Cowboys. Mit 53 Jahren wurde er als bester Newcomer ausgezeichnet, das war für seine 2001 erschienene CD „White African“. In „White African“ fragt Taylor, wie man die weißen Musiker nennen könne, die so supergut den schwarzen Blues spielen können, während viele Afroamerikaner von der Musik ihrer Vorfahren einfach nichts mehr wissen. Allein die Titel seiner fabelhaften CDs sprechen Bände: „Respect The Dead“, „When Negroes Walked The Earth“, „Truth Is Not Fiction“. Dass Otis Taylor in jüngster Zeit mit den begehrten W.C. Handy Awards regelrecht überschüttet wurde, ist ein gutes Zeichen. Am 2.4. um 22 Uhr spielt Taylor im Quasimodo .

Für den Posaunisten Curtis Fuller ist Rhythmus die große Botschaft. Bevor er in den Sechzigern mit Art Blakey’s Jazz Messengers unter anderem „Free For All“ aufnahm, hatte er schon mit den Besten gespielt. Ob Miles Davis, Yusef Lateef oder Sonny Rollins – alle schwärmten von Fullers Phrasierung und Tempi. Bis heute ist Fuller, der in diesem Jahr 70 wird, nicht nur mit diversen All-Star-Formationen, sondern vor allem auch mit eigenen Bands unterwegs. Ob nun Javon Jackson, Saxofon, oder Ronnie Mathews, Piano, allein die Besetzung seiner aktuellen Band ist schon eine echte Sensation. Curtis Fuller , der große Posaunist des als Hardbop bezeichneten bluesorientierten Jazz, spielt am Dienstag um 20 Uhr im Audi-Forum (Friedrichstraße 83, Mitte).

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