Kultur : Eisleriana

ISABEL HERZFELD

Klavierabend Frank-Immo Zichner zum 100.Geburtstag von EislerVON ISABEL HERZFELDFür die kritische Haltung alten Hörgewohnheiten gegenüber, für die Wahrnehmung des Neuen als in der Tradition verwurzelt hat Hanns Eisler zeitlebens plädiert.Für seine Eisler-Ehrung innerhalb der Schauspielhaus-Reihe "Von alter und neuer Musik" hat der Pianist Frank-Immo Zichner denn auch die entsprechende beziehungsreiche Mischung gefunden: Bach als Urgrund jeglicher polyphon durchwirkter Schreibweise, Beethoven als Beherrscher sprachmächtiger Ausdrucksgesten, Schubert als verloren betrauertes romantisches Gegenbild.Doch gerade der Wiedergabe dieser "alten", für Eisler stets lebendiger Reibungspunkte gebliebenen Musik bleibt Zichner einiges schuldig, weil er - bekannt als ebenso zuverlässiger wie einfühlsamer Kammermusiker - sich nicht pianistisch auslebt, immer wieder technische und emotionale Bremsen zieht.Bachs frühe e-moll-Toccata besticht noch durch klare, leichtgängige Transparenz, doch den c-moll-Variationen fehlt bei aller angenehmen Entdämonisierung einfach der kontrastierende Zugriff, und gar der "Wanderer-Fantasie" ist mit nur auf Ökonomie bedachter Bewältigung gewiß nicht beizukommen.Bleibt die "neue Musik": Den Klavierstücken op.8 des "Geburtstagskindes" gibt Zichner pointenreiche Gestalt in ironisierendem Staccato-Gestus, zarter, noch zwölftönig gespannter Gesanglichkeit und aggressiven Fugato-Abschnitten.Gewissermaßen schon ein "postmodernes" Werk, das mit "klassischen" Modellen virtuos verfremdend spielt.Funkelnd geschliffen erklingt auch "Präludium und Fuge a-moll" op.87,2 von Dmitri Schostakowitsch, kontrastiert elegant-lockere Figuration mit ruppiger Angriffslust.Aus diesem immerhin 24 Nummern umfassenden Zyklus hätte Zichner ruhig mehr spielen können, eine durchaus rational-distanzierte Darstellung herausfordernde Musik.Wie fabelhaft er wirklich sein kann, voller Esprit und Lässigkeit, zeigten nach dem gleichwohl umjubelten Schubert Zugaben von George Gershwin.

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