Kultur : Ekel aus der Mikrowelle

MICHAEL ZÖLLNER

DC Veeros Pop-art à la Lichtenstein und Gunter Kollers "saures Buffet" im Haus am LützowplatzVON MICHAEL ZÖLLNERDC Veeros Bilder sind wilde Konglomerate: ein bißchen Roy Lichtenstein und Andy Warhol, etwas psychedelische Kunst aus den sechziger Jahren sowie ornamentale Jugendstilmuster, die sich über die einfachen, comicartigen Figuren ziehen.Früher oder später beginnt der Betrachter wahrscheinlich Lieder von den Beatles zu summen.Denn die kaleidoskopischen, knallbunten Farbattacken von DC Veero erinnern an die Zeichnungen von Heinz Edelmann aus dem Film "Yellow Submarine", der 1967 mit seinen phantastischen Grafiken Furore machte.Allerdings ist das 31 Jahre her, und daher ist mit solcher Malerei kaum ein Blumentopf zu gewinnen. Wenn also das Haus am Lützowplatz anläßlich seines sechzigsten Geburtstages den Berliner Maler DC Veero ehrt und in der Ausstellung "Mühelose Mühe" sechzig von 111 Werke der vergangenen zehn Jahre präsentiert, so muß das einen Grund haben.Nur welchen? Sicher sind seine Werke mit handwerklicher Perfektion und Einfallsreichtum gemalt.Die psychedelisch anmutenden Bilder gehen aber selten über den Charakter pastellfarbener Dekoration hinaus.Desweiteren wäre eine Reduzierung der gezeigten Bilder nötig gewesen, da die Wucht der Farbeindrücke eine Konzentration auf die einzelnen Bilder kaum zuläßt. Trotzdem lohnt sich der Gang ins "Haus am Lützowplatz", denn in der Studiogalerie im Hof befindet sich ein wirklich ekelhaftes Highlight.Der Österreicher Günter Koller stellt "Das saure Buffet" aus, welches aus verschimmelten, mit Salzlösungen übergossenen Lebensmitteln besteht.Pizza, Magentabletten, Fleischbällchen, Schnitzel und Rindsuppen gären dort in kleinen Microwellen-Verpackungen.Die Salzlösung kristallisiert und überzieht die Eßwaren.Wie in einer Tropfsteinhöhle bilden sich Salzformationen, wobei die Kristalle sich in jede denkbare Richtung ausdehnen und die Exponate weitreichend verkrusten. Das sieht ebenso ekelig wie faszinierend aus.Dabei sind die Lebensmittel aber nur scheinbar zufällig angeordnet.Der Büffetanordnung liegt ein Fahrplan zugrunde, welcher den Betrachter durch die verschiedenen Geschmacksstufen führt - von sauer über bitter, von süß bis scharf.Salzig sind sie alle.Brezel, Spiegeleier und Knäckebrot lassen sich dabei intensiv in einem Zustand betrachten, in dem man sie sonst nur verschämt aus dem Kühlschrank in den Mülleimer befördert. Haus am Lützowplatz, bis zum 31.Mai, Dienstag bis Sonntag 11-18 Uhr.Katalog 25 DM.

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