Kultur : EKEL

Katrin Wittneven

Die Party ist vorüber. Leere Flaschen liegen am Boden, Sahnetorten verschimmeln in der Ecke, die Wände sind beschmiert. Der Geruch beißt in der Nase. Im ersten Augenblick sieht es aus, als hätten hier Penner gehaust und die Wohnung völlig verkommen lassen. Krabbelt es da nicht schon? Und was ist das da im Klo? Es sieht aus wie Erbrochenes. Oder ist es Hackfleisch? Oder gar beides? Unser Kopfkino malt sich die wildesten Geschichten aus. Dabei waren es nur Kai Althoff und Lutz Braun, die anlässlich der Berlin-Biennale vier Wochen in einem leer stehenden Büro in der Auguststraße verbracht haben. Rauminstallationen mit Sperrmüll-Mobiliar, Stofffiguren und Bildern sind entstanden, die hier wie beiläufig hingeworfen herumliegen. Bei genauerer Betrachtung eröffnet sich eine eigene Welt: Mit Tüchern wurden verschiedene Räume abgeteilt und in rotes oder weißes Licht getaucht. So als hätte der Besucher Einlass ins Unterbewusstsein der Künstler erhalten. Und gleichzeitig beunruhigt gerade das Ungewisse, nur Vermutete und ruft das schleichende und bald übermächtig werdende Gefühl von Ekel hervor. Ekel, wie er auch bei den Performances des österreichischen Künstlers Otto Muehl entsteht, die die Biennale für die Kunst-Werke als Videos noch einmal ausgräbt. Oder in Roman Polanskis Film „Ekel“, wo für Carol (Catherine Deneuve) die Grenze zwischen Wahrheit und Wahn, Schein und Sein langsam zerfließt. Wie die Butter auf dem Fensterbrett. Ich muss hier raus!

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