Kultur : "El acordeón del diablo": Alles ist Son

Michael Meyer

Alte Leute haben viel zu erzählen. Dies machte sich vor Jahren schon Wim Wenders mit seinem legendären "Buena Vista Social Club" zu Nutze, mit dem er den sechs Musikern der "Afro-Cuban-All Stars" ein filmisches Denkmal setzte. Der Kuba-Boom folgte, der Rest ist Geschichte. "El acordeón del diablo", der Dokumentarfilm von Stefan Schwietert ("A Tickle in the Heart") ist dem heute 93-jährigen Pacho Rada gewidmet. Er hat den Son begründet, einen speziellen Rhythmus der Vallenato-Musik aus Kolumbien, bei der ohne Akkordeon gleich gar nichts geht.

Der Film verfolgt in durchaus rührenden, aber nicht kitschigen Bildern die Geschichte Pacho Radas, der bereits als kleiner Junge ein Lied auf dem deutschen(!) Akkordeon seines Vaters spielen konnte und seitdem über die Lande und durch die Dörfer reist. Dabei schlägt der Film mitunter fast mystische Töne an - etwa wenn Pacho Rada erzählt, wie er eines Nachts auf seinem Esel ein Akkordeonduell gegen den leibhaftigen Teufel gewonnen haben will. Wichtiger jedoch ist immer wieder der Blick auf die Armut des Musikanten, den dieser auch keineswegs verstellt. Während einige jüngere Musiker es seit den siebziger Jahren zu Wohlstand gebracht haben, weiß Pacho Rada, sagt er, "manchmal heute nicht, was ich morgen essen soll". Manchmal hört er im Radio eines seiner Lieder, Geld sieht er jedoch nicht dafür. Das bekommen höchstens Jüngere, die es geschafft haben, ihre Musik auch im Ausland zu verkaufen. "Musik zu machen ist an der kolumbianischen Karibikküste nichts Besonderes, dafür wurde im Land nie viel bezahlt", sagt Stefan Schwietert. "Man sieht an jeder Ecke Musiker mit Akkordeon."

Günter Lamprecht leiht Rada im Film seine Stimme als Übersetzer. Ursprünglich hatte Schwietert einen Berühmteren noch als Erzähler gewinnen wolle, der jedoch wegen einer schweren Krankheit absagen musste: Gabriel García Marquez.

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