Kultur : Elbphilharmonie: Streit um Abschlussbericht

Ein 724 Seiten starker, noch nicht veröffentlichter Abschlussbericht des Untersuchungsausschusses zum Hamburger Elbphilharmonie-Desaster nennt erstmals Verantwortliche beim Namen. Entsprechende Presseberichte bestätigte am Dienstag die Linksfraktion in der Hamburger Bürgerschaft. Demnach wollten alle Beteiligten das Prestigeprojekt unbedingt umsetzen, ohne den Steuerzahlern die wahren Kosten zu präsentieren. Der Vorsitzende des Ausschusses, Ole Thorben Buschhüter (SPD), nannte die Vorabveröffentlichung des Berichts „sehr ärgerlich“. „Das ist nur ein Entwurf, die Abgeordneten müssen den Bericht jetzt erst mal lesen“, so Buschhüter. Am 14./15. Februar werde der Entwurf im Ausschuss öffentlich beraten, mit einer Veröffentlichung sei erst im April zu rechnen.

Dem städtischen Projektkoordinator für die Elbphilharmonie, Hartmut Wegener, soll der Abschlussbericht eine Mischung aus Unfähigkeit und Selbstherrlichkeit attestieren. Auch der spätere Geschäftsführer der Realisierungsgesellschaft (ReGe), Heribert Leutner, habe versucht, Bürgerschaft und Öffentlichkeit zu täuschen. Hamburgs damaliger Bürgermeister Ole von Beust (CDU) habe sich vor allem durch Desinteresse an unbequemen Details ausgezeichnet. Die ehemalige Kultursenatorin Karin von Welck (parteilos) habe „die Bürgerschaft nicht richtig und rechtzeitig über wichtige Umstände informiert“. Und der damalige Chef der Senatskanzlei Volkmar Schön (CDU) sei seiner Aufsichtspflicht nicht gerecht geworden. Aber auch die Architekten Herzog & de Meuron und der Baukonzern Hochtief kommen in dem Abschlussbericht nicht gut weg. Weil fertige Baupläne nicht rechtzeitig vorgelegen hätten, sei es zu einer „chaotischen Situation einer aufwendigeren Planung parallel zum Bau“ gekommen. Über den Baukonzern Hochtief äußert der Bericht die Vermutung, das Unternehmen habe den Angebotspreis von Anfang an niedrig kalkuliert, um später Nachforderungen zu stellen.

Nach der Veröffentlichung des vertraulichen Berichtsentwurfs hat die Links- Fraktion in der Hamburger Bürgerschaft gefordert, den kompletten Bericht sofort online zu stellen. dpa

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