Kultur : Elektronische Kreisläufe aus norddeutscher Landschaft

Format allein ist längst kein Maßstab.Besser als mit den Zeichnungen des 1949 in Bitterfeld geborenen, an der Ostsee aufgewachsenen, seit zwanzig Jahren in Berlin ansässigen Malers Hanns Schimansky ließe sich das kaum demonstrieren.Wenig größer als eine Zigarettenschachtel sind die Blätter der Serie "dreireisen" (1991-98), die jetzt in einer kleinen, Schimansky gewidmeten Ausstellung im Foyer der Akademie der Künste (Hanseatenweg 10, bis 11.Oktober) gezeigt werden.Auch die Formate der Serie "la rue de deux ponts" von 1997 entsprechen mit den Maßen 15 mal 21 Zentimeter nicht gerade dem Trend zum Großbild.Und doch spielt sich allerhand ab auf diesen Zetteln.Die zeichnerischen Notate, die Schimansky zu Papier bringt, können auf unterschiedliche Weise gelesen werden.Es könnten Küstenlandschaften sein, Partituren von Musikstücken oder einfach nur abstrakte Muster.Ebenso denkbar ist, daß es sich dabei um schematische Darstellungen komplexer Verkehrssysteme handelt oder um Schaltpläne für elektronische Kreisläufe - man weiß es nicht genau, und wird vom Künstler auch tunlichst im Unklaren darüber gelassen.Vielleicht sind sie ja alles auf einmal: Schriftzeichen einer Sprache, die man nicht versteht, biographische Piktogramme, Erinnerungsbilder."Meine Kindheit und Jugend", schreibt Schimansky im Begleittext zur Ausstellung, "verbrachte ich in den norddeutschen Hafenstädten Stralsund und Rostock, in Greifswald und Wismar.Da war Meer, Hafenbetrieb, die satte mecklenburgische Landschaft und nordische Backsteinarchitektur.Ich glaube heute, daß die damalige Begegnung mit der gotischen Architektur (...), und dem, was nach dem Krieg davon übrig blieb, in mir ein Maß anlegte, mit dem ich alles später Gesehene verglich." So ist das mit der Ordnung: Manchmal ist sie da, wo man sie zuletzt vermuten würde. U.C.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben