Kultur : Elf Nächte für jedes Leben

Heute abend wird das 3. Internationale Literaturfestival Berlin eröffnet – sechs praktische Empfehlungen

Gregor Dotzauer

1) Nehmen Sie Urlaub! Machen Sie blau! Holen Sie Ihren Doppelgänger aus dem Schrank! Vierteilen Sie sich! Oder haben Sie eine Ahnung, wie Sie das Programm des Literaturfestivals vom 10. bis 21. September sonst auch nur annähernd wahrnehmen wollen? Rund 150 Autoren aus über 40 Ländern erwarten Sie von neun Uhr früh bis tief in die Nacht zu Lesungen, Diskussionen und Gesprächen. Ob „Literaturen der Welt“, das „Kaleidoskop“, die „Internationale Kinder- und Jugendliteratur“, der „Länderschwerpunkt Griechenland“ oder die Hommage-Reihe „Erinnerung, sprich“: Die Programmsparten schaffen eine Ordnung, die nur bedingt eine ist. Also auf ins bunte Chaos!

2) Besorgen Sie sich ein Programm! Eine 48-seitige Broschüre gibt es kostenlos beim Festivalbüro (Sophienstraße 3, 10178 Berlin-Mitte) in den Sophiensälen, dem Hauptveranstaltungsort des Festivals. Dort erhalten Sie für zehn Euro auch den 264-seitigen Katalog aus dem Verlag Vorwerk8. Oder gehen Sie einfach ins Netz unter www.literaturfestival.com .

3) Wählen Sie Veranstaltungen mit Autoren, die Sie nicht kennen! Das empfiehlt sich schon aus Gründen der Sitzplatzsicherung. Natürlich können Sie sich auch um Jonathan Franzen bemühen (Berliner Ensemble, 12.9., 18.30 Uhr), den Bestsellerautor der „Korrekturen“, der nun verspätet sein Debüt „Die 27ste Stadt“ vorstellt. Hören Sie, wie der ungarische Literaturnobelpreisträger Imre Kertész zum ersten Mal aus seinem neuen Roman „Liquidation“ liest (Berliner Ensemble, 21.9., 11 Uhr). Oder versuchen Sie, eine Karte für Alessandro Bariccos Lesung zu ergattern (Deutsches Theater, 13.9., 22 Uhr). Doch ist es nicht spannender , sich auf „Poetry Nights“ und „Poetry Talks“ einzulassen, die Ihnen Literaturen näherbringt, für die Sie sonst zum Teil ans andere Ende der Welt reisen müssten? Seien sie sicher: Selbst Spezialisten kennen höchstens ein Drittel des Angebots. Alle anderen sind Angeber oder Lügner.

4) Nutzen Sie den Vorverkauf! Das Festival bietet für fast alle Veranstaltungen Karten im voraus. Gehen Sie ins Festivalbüro in den Sophiensälen. Bestellen Sie für Folgetage vor unter ticketing@literaturfestival.com . Und erkundigen Sie sich im Zweifelsfall unter infopoint@literaturfestival.com oder per Hotline (0700 775 77 777) für 12 Cent pro Anruf. Wer aus fernen Zeit- und Klimazonen anreist, verpasst gerne mal das Flugzeug oder entdeckt unterwegs, dass er vergessen hat, daheim den Hund zu füttern.

5) Nehmen Sie Freunde mit, die sonst nur vor dem Fernseher hängen! Zum einen hat hinterher angeblich schon mancher seine Glotze abgemeldet und sich einem Leserausch hingegeben. Zum anderen hat das Programm auch für Buchverächter einiges zu bieten. Die Reihe „Literatur auf Celluloid“ im Filmkunsthaus Babylon präsentiert unter anderem eine Preview des von Hanif Kureishi geschriebenen Films „The Mother“ (18.9., 19 Uhr). Politischere Gemüter interessiert sich womöglich für Joachim Kunerts 1975 in der DDR nach Recherchen von Günter Wallraff entstandenen „Steckbrief eines Unerwünschten“ (16.9., 19 Uhr). Für Russophile gibt es am 13.9. im Martin-Gropius-Bau von 15 bis 22 Uhr ein russisch-deutsches Literaturfest mit einem Querschnitt durch die Berliner Szene. Tags darauf findet im Podewil von 11 bis 18 Uhr ein FamilienFest International statt. Und wer sich am 19.9. um 22.45 Uhr in die Sophiensäle begibt, kann zusammen mit Navid Kermani zu Platten von Neil Young tanzen, über die der Autor ein Buch geschrieben hat. .

6) Lesen Sie den Tagesspiegel! Ab 12.9. erfahren Sie unter einer täglichen Rubrik mit jeweils einem nach vorne und einem zurückschauenden Text, was passiert ist – und was Sie nicht verpassen sollten.

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