Kultur : Elizabeth Peyton

Christina Tilmann

Ein blasses, leidendes Gesicht, buschige Augenbrauen, strenge Frisur, tiefer Ausschnitt, durchscheinende Bluse. Ein typisches Elizabeth-Peyton-Gesicht, eine leicht genervte Großstadt-Lady, leicht und sensibel hinskizziert, nur dass das Bild deutlich größer ist als sonst bei der 1965 geborenen amerikanischen Star-Malerin. Allein: Es ist weder Lizzie noch Tony, sondern Georgia O’Keeffe, gemalt nach einem Foto von Alfred Stieglitz.

Eine Vorbildfigur, ebenso wie die kräftige Frida Kahlo oder die romantisch verträumte George Sand, die Peyton ebenfalls gemalt hat? Sie habe O’Keeffes Bilder gar nicht so gemocht, heißt es in der Galerie, eher O’Keeffe als Künstlerfigur, und den Lebensstil, den sie verkörperte, und die Zeit, in der sie lebte: Society-Größen von einst. Auf einem Bild nach einer Schwarz-Weiß-Fotografie sitzt O’Keeffe mit Elizabeth Arden in einer Bar, zwei elegante, elegische Großstadtdamen. Nicht viel anders als Pauline Daily, eine Freundin von Elizabeth Peyton, die diese im Garten porträtiert, das Gesicht schmal, die Lippen sehr rot.

Die Inszenierung von Peytons neuen Werken (Preise auf Anfrage) bei neugerriemschneider ist monumental: acht kleinformatige Bilder, luftig gehängt im großen weißen Präsentationsraum. Sie scheinen an der Wand zu schweben, fast in ihr zu verschwinden. Und doch wird man magisch angezogen von diesen blassen Gesichtern. Ob Promis, ob Freunde, ob Promis als Freunde: Im Universum der Elizabeth Peyton ist jeder gleich. Nur konsequent, dass sie ihre Freunde auch in der Kunst- und Literaturgeschichte sucht. Ob am Ende nun Pauline Daily oder George Sand im Garten sitzt, ist einerlei.

Galerie neugerriemschneider, Linienstraße 155, bis 3. Juni; Dienstag bis Sonnabend 11 – 18 Uhr.

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