Kultur : Elke Leonhard im Gespräch: Streitkultur (Kommentar)

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Der Klügere gibt nach, und Frauen sind mindestens insoweit das klügere Geschlecht, als sie ihre Niederlagen klarer erkennen als Männer. Die streitlustige Elke Leonhard gibt den Vorsitz im Kulturausschuss des Bundestages auf. Ihre Rücktrittserklärung offenbart ein kleines, aber erfreuliches Stück politische Kultur. Denn sie spricht den Grund offen aus: unüberbrückbare inhaltliche Gegensätze zu Kulturminister Michael Naumann. Dessen Reaktion ist deutlich weniger aufrichtig. Unterschiedliche Bewertungen seien für ihn kein Hindernis für gute Zusammenarbeit - vollendeter Politsprech. Naumann hat sich über Leonhard manchmal schwarz geärgert. Weil sie von Kopf bis Fuß eigenwillig ist, gehört sie nicht zu den Beliebten in Berlin. Doch gerade darum ist es schade, dass sie geht. Der Kulturausschuss ist in dieser Legislaturperiode neu gegründet worden, so wie Naumanns Amt neu ist. Auf diesem Gebiet ist produktive Spannung zwischen den parlamentarischen Gremien und der Regierung geradezu geboten. Leonhard war dafür eine Garantie. Naumann wäre kurzsichtig, wenn er auf mehr Harmonie bei der Nachfolge setzte. Er braucht Verbündete. Wirklich stark sind aber nur Partner, die den eigenen Kopf gerne gebrauchen.

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