Kultur : Endlich Frühling?: In Lockposition: Wie Tiere und Pflanzen reagieren

W.H.

Enrico Matthies schüttelt den Kopf. Und der Tierinspektor vom Tierpark Berlin-Friedrichsfelde muss es wissen. Während mancher Mensch auch im Frühjahr zu Depressionen neigt, schließt Matthies dies für seine Tiere aus: "Vor allem die Affen genießen die Sonne. Sie legen sich wie die Menschen auf den Rücken und lassen sich die Sonne auf den felligen Bauch scheinen." Auch die Geier fühlen sich wohl. Das sehe man daran, dass sie ihre großen Flügel in voller Schönheit ausbreiten. Und die sind immerhin 2,5 Meter lang.

Und die Pflanzen? Gut gelaunt? Man kann das so sagen. Auch die heimischen Pflanzen bekommen die vom Hobby-Gärtner lang ersehnten Frühlingsgefühle. Die Sonne bringt endlich die Wärme, die die Blütenknospen - ob an Sträuchern oder Bäumen - unbedingt benötigen, um aufzubrechen. Die in voller Pracht entfalteten Blüten verströmen ihren Duft jedoch nicht, um Menschen zu erfreuen. Das ist nur ein schöner Nebeneffekt. Die Blüten begeben sich damit in Lockposition und laden die unterschiedlichsten Insekten zum Anflug und zum Bestäuben ein. Wer die Natur aufmerksam beobachtet, kann feststellen, dass sich nun auch die Photosynthese verstärkt: Die Blätter rollen sich aus und wenden sich dem Licht entgegen. Bei der Photosynthese wird der Luft Kohlendioxid entzogen und in Sauerstoff und Kohlenstoff umgewandelt. Das bedeutet, der Sauerstoff wird an die Umwelt abgegeben, der Kohlenstoff wird beispielsweise zu Ästen und Jahresringen umgewandelt - kurz: Er wird als lebendige Biomasse eingelagert. Dieser chemisch sehr aufwendige Prozess wird durch das Chlorophyll (Blattgrün) und das Sonnenlicht in Gang gesetzt.

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