Kultur : Engel und Präsident

Gerrit Bartels über den US-Hip-Hop und Barack Obama

Als der Rapper Tupac Shakur, der 1996 bei einer Schießerei getötet wurde, die Zeilen für seinen posthum veröffentlichten Hit „Changes“ ersann, war er alles andere als zuversichtlich: „I see no changes wake up in the morning“, beginnt sein Song, „I see no changes/ all I see is racist faces“, geht es in der zweiten Strophe weiter. Zeit, dass sich was ändert, so Tupacs Schlussfolgerung, die Art und Weise, zu essen, zu leben, miteinander umzugehen, auch wenn er nicht gleich an einen schwarzen Präsidenten glauben mochte: „And although it seems heaven sent, we ain’t ready to see a black president.“

Mehr als ein Jahrzehnt später ist nun aus diesem seinerzeit noch himmlisch anmutenden Wunschtraum Wirklichkeit geworden. Und der US-Hip-Hop weiß: Amerika ist bereit für einen schwarzen Präsidenten, auch die afroamerikanische Community, wie es etwa der nicht gerade als großer politischer Analytiker bekannte Snoop Dogg auf CNN verkündete.

Kein Großer des Genres ließ es sich nehmen, Wahlaufrufe für Obama auf Youtube zu lancieren, von Jay-Z über Kanye West bis zu Will. I. Am, der gleich ein ganzes Stück mit Obama-Lyrics einspielen ließ. Und natürlich taucht Obama umgekehrt in den Lyrics aktueller Hip-Hop-Stücke auf: Common textet in seinem Sommerhit „The People“ die Zeile „My raps ignite the people like Obama“, Tarib Kweli wünscht sich in „Say Something“ Obamas rhetorische Talente („Speak to the people like Barack Obama“). Und Ludacris schoss mit dem Track „Politics: Obama is here“ übers Ziel hinaus, als er Obamas demokratische Konkurrentin Hillary Clinton als „bitch“ bezeichnete und John McCain als „alten, gelähmten Mann“, der in keinen Präsidentensessel gehöre. (Was postwendend zu einer offiziellen Rüge des Obama-Stabs führte und dem Hinweis, dass Obama den Materialismus und die Frauenfeindlichkeit vieler Hip-Hop-Stücke nicht schätze.)

Umsichtiger dagegen gab sich Nas, als er sein jüngstes Album mit dem elegisch düsteren Track „Black President“ beschloss. Dieser basiert auf Tupacs Präsidenten-Zeile, ergänzt durch den ObamaSlogan „Yes, we can change the world“, und ist zunächst eine dezent triumphierende Hymne, die alle Hardliner und Zweifler eines Besseren belehrt sieht: „They said this day would never come, they said our sights were set too high, they said this country was too divided.“

Dann aber meldet Nas selbst Zweifel an und fragt, nachdem er Obama grundsätzlich sein Vertrauen ausgesprochen hat, wie dieser es denn halte, wenn er Präsident wird: „But will he keep it way real?“ Und: „When he wins – will he really care still?“. Das Gefühl sage ihm „Ja“, so Nas. Und hofft, bei allem Zweifel, dass sein Kollege Common recht behält, der gesagt hat: „Obama repräsentiert den Fortschritt. Er repräsentiert das, um was es im Hip-Hop geht. Fortschritt, Kampf.“

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