Kultur : Engelszungen für Andrea Breth Festspiele-Chef Sartorius zur Theatertreffen-Absage

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Herr Sartorius, Andrea Breth kommt mit ihrer BurgtheaterInszenierung von „Don Carlos“ nicht im Mai zum Theatertreffen – weil es in Berlin keine geeignete Spielstätte mit Drehbühne gebe. Ist das wirklich so?

Theaterproduktionen zu transportieren, ist immer heikel. Aber meistens gelingen diese Verpflanzungen. Dennoch kam es in 40 Jahren Theatertreffen vor, allerdings sehr selten, dass etwas nicht gezeigt werden konnte, wie einmal eine Peter-Zadek- Inszenierung. Die Jury ist gehalten, Stücke nicht auf ihre Finanzierbarkeit und nicht primär auf ihre technische Machbarkeit zu überprüfen, sondern nach 100 Stunden Diskussion zu sagen: Das sind die zehn bemerkenswertesten deutschsprachigen Inszenierungen der Saison.

2003 gab es Kritik an der TheatertreffenPräsentation von Breths „Emilia Galotti“, weil die intimere Wiener Akademietheater-Inszenierung auf der großen Bühne des FestspieleHauses kaum funktionierte.

Das Problem rührte auch daher, dass Frau Breth aus Krankheitsgründen unglücklicherweise nicht selbst nach Berlin kommen konnte. Einem Dramaturgen die Einrichtung eines komplizierten Theaterstücks zu überlassen, das geht offenbar nicht.

Es handelt sich jetzt also nicht um eine späte Rache?

Nein, das Wiener Burgtheater hat eine Einrichtung, die es in Berlin weder in den Theatern noch in den Opernhäusern gibt. Die dortige Drehbühne funktioniert nicht nur auf den Millimeter genau, sie lässt sich außerdem als Ganzes heben und senken. Bei „Don Carlos“ wird auf der Drehbühne gespielt, während gleichzeitig 40 Büroschränke aus der Tiefe nach oben geholt werden. Dem Techniker des Burgtheaters lagen sämtliche technische Pläne der Berliner Häuser vor. Wir hätten uns aber jenseits der technischen Probleme eine lösungsorientierte Prüfung gewünscht.

Ist es Andrea Breth nicht möglich, die Inszenierung für Berlin etwas abzuändern?

Sowohl Burgtheater-Intendant Klaus Bachler als auch ich haben auf den Knien unseres Herzens und mit Engelszungen versucht, Frau Breth genau davon zu überzeugen. Ich habe sehr viel mit ihr telefoniert. Es hätte in der Tat größerer inszenatorischer Eingriffe bedurft. Die Kernfrage ist: Kann man für das Theatertreffen eine solche Veränderung verlangen? Kann man nicht verlangen, dass noch einmal sechs, sieben Tage geprobt wird, „Don Carlos“ dann zwar ein bisschen anders aussieht und etwas langsamer über die Bühne geht, Andrea Breth aber auch hinter dieser Version steht? In ihren Augen war das nicht möglich.

„Don Carlos“ wäre ein Höhepunkt für das konservativere Publikum gewesen.

Wir haben uns „Don Carlos“ aus zwei Gründen gewünscht. Zum einen fehlt nun die Facette der Klassiker-Inszenierung, die sich auf die Sprache konzentriert und nicht radikal in diese Sprache eingreift. Zum anderen hätten wir mit Breths Inszenierung sehr gerne unseren Beitrag zum Schillerjahr geleistet.

Kommt nun eine andere Inszenierung?

Leider nein. Das diesjährige Theatertreffen wird neun statt zehn Stücke zeigen.Interview: Christiane Peitz

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