Kultur : Englein singen

Der dichtende Zeichner: Wilhelm Busch wird 175

Christian Schröder

Seine Erinnerungen mit dem aktenordnerknappen Titel „Was mich betrifft“ sind nur eine autobiografische Skizze von wenigen Seiten. Die mehr als 1000 Ölgemälde, die er hinterließ, hat er Zeit seines Lebens niemals auszustellen gewagt. Und seine Bildergeschichten, so befand er bescheiden, seien „vom Leben geglüht, mit Fleiß gehämmert und nicht unzweckmäßig zusammengesetzt“. Wilhelm Busch hat von sich selber nicht viel Aufhebens gemacht.

Dabei legte der dichtende Zeichner, der heute vor 175 Jahren im niedersächsischen Wiedensahl geboren wurde, mit dem Slapstick von „Max und Moritz“, „Plisch und Plum“ oder „Maler Klecksel“ nicht nur die Grundlagen für die „Katzenjammer Kids“ und alle folgenden Comicstrips. Er hat auch, wie Busch-Verehrer Robert Gernhardt schlüssig darlegte (im Busch-Band „Da grunzte das Schwein, die Englein sangen“, Eichborn, 381 S., ca. 30 €), die gesamte Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts vom Expressionismus bis zu Georg Baselitz vorweggenommen.

Wilhelm Busch war, so putzig mancher seiner Reime klingen mag, kein Idylliker. Er hatte seinen Schopenhauer gelesen, die Komik führt bei ihm oft in die größten Katastrophen. Hans Huckebein erhängt sich aus Versehen, Max und Moritz – „ach, was muss man oft von bösen Kindern hören oder lesen!“ – enden als Entenfutter. Und der Eispeter, der in einen gefrorenen See einbricht, zum Eiszapfen erstarrt und beim Auftauen zu einer Pfütze schmilzt, wird von seinen Eltern auf einem Kellerregal endgelagert, in einem Einmachglas mit der Aufschrift „Peter“.

Nun ehrt Hannover Busch mit der Oper „Die fromme Helene“ und zwei Ausstellungen im Wilhelm-Busch-Museum: „So viel Busch wie nie“ (bis 3. Juni) und „Avantgardist aus Wiedensahl“ (bis 18. November). Im nächsten Jahr wird weitergefeiert. Da jährt sich der Tod des Lokalgenies zum 100. Mal.

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