Ensemble Mini in der Musikbrauerei : Wohlklang im Gewölbe

Romantik und Kerzenschein: Nach Mahler und Strauss schrumpft das Ensemble Mini nun Sibelius.

Johannes Metternich
Großer Klang trotz kleiner Besetzung: das Ensemble Mini und Dirigent Joolz Gale
Großer Klang trotz kleiner Besetzung: das Ensemble Mini und Dirigent Joolz GaleFoto: Jens Reule Dantas / Musikbrauerei Berlin

„Sex, Drugs and Klassik“ verspricht das Ensemble Mini augenzwinkernd auf Werbeplakaten den Besuchern seiner Konzerte. Das 16-köpfige junge Berliner Kammerorchester unter Dirigent Joolz Gale will mit großen Werken in kleiner Besetzung und alternativen Spielstätten abseits gängiger Etablissements einen neuen Zugang zu klassischer Musik eröffnen. Zu seinem neuen Projekt „Simply Sibelius“ lud es nun in die Musikbrauerei, ein ausrangierter und mittlerweile als Studio und Konzertsaal genutzter Industriebau im Prenzlauer Berg. Die kahle Halle füllen Kerzen und Farbscheinwerfer mit schummrigem Licht, ein junges Publikum ist gekommen, unverkrampfte Atmosphäre insgesamt – und schließlich die Musiker mit sattem Klang.

Energisch beginnt das Ensemble mit Jean Sibelius’ orientalisch angehauchter Belsazzar-Suite und flutet den Raum mit dem wogenden Klangmeer des ersten Satzes. Genauso lässt es im melancholischen Mittelteil den Soli der traumhaft spielenden Holzbläser und zum Schluss dem Teufelstanz der Klarinette genügend Raum. Sie profitieren spürbar von der kleinen Besetzung und Location. Ein ebenfalls starkes Solo legt Pianistin Danae Dörken hin, die in Mendelssohns Klavierkonzert Nr. 2 mit Verve über die Tasten fegt, sich im Pianissimo allerdings mit einer ungebetenen Begleiterin arrangieren muss – der Lüftungsanlage.

Mendelssohns wilde Romantik leitet schließlich zu Sibelius’ postromantischer Dritter über, laut Dirigent Gale die „kammerartigste“ seiner Sinfonien – aber eben immer noch Sinfonie. Laut dröhnt im Getöse des ersten Satzes das Blech durch das Gemäuer, während die zwei Geigen manches Mal die Hilfe ihrer Streicherkollegen brauchen, um durchzustoßen. Das nimmt man jedoch gerne hin, angesichts jenes intimen Arrangements aus Musik und Raum, das das Ensemble Mini darbietet.

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