Entartete Kunst : Berliner Skulpturenfund aufgeklärt

Als bei den Bauarbeiten zur U-Bahn-Linie 5 als verschollen geltende Skulpturen der "Entarteten Kunst" gefunden wurden, war es eine Sensation. Wie sie dorthin gekommen waren, wusste niemand. Das Rätsel ist nun gelöst.

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Das Rätsel um die Herkunft der Skulpturen ist nun gelöst: Sie stammen aus einem bisher unbekannten Depot des Propagandaministeriums.Weitere Bilder anzeigen
Foto: Zentralarchiv, Staatliche Museen zu Berlin
02.05.2011 15:27Das Rätsel um die Herkunft der Skulpturen ist nun gelöst: Sie stammen aus einem bisher unbekannten Depot des...

Das Rätsel um die 2010 auf einem Trümmergrundstück gegenüber dem Roten Rathaus gefundenen Skulpturen der „Entarteten Kunst“ ist gelöst. In dem 1944 bei einem Bombenangriff der Alliierten zerstörten Gebäude Königstraße 50 befand sich ein bisher unbekanntes Depot des Reichspropagandaministeriums, das für Erfassung, Verkauf und Lagerung der beschlagnahmten Kunstwerke zuständig war. Dies geht aus einem Brief des Ministeriums vom 14. August 1942 an die Reichspropagandaleitung hervor, die damals die Ausstellung „Entartete Kunst“ im Münchner Haus der Kunst organisierte.

Wie der Berliner Chefarchäologe Matthias Wemhoff gegenüber dem Tagesspiegel berichtete, liegt dem Brief auch eine Liste der deponierten Kunstwerke bei, so dass drei bislang nicht identifizierte Stücke den Bildhauern Karl Ehlers, Richard Heizmann und Fritz Wrampe zugeordnet werden konnten, die unter anderem in der Duisburger und Mannheimer Kunsthalle konfisziert wurden. Die Kunsthistorikerin Meike Hoffmann von der Forschungsstelle „Entartete Kunst“ der FU Berlin war im Bundesarchiv auf das Schreiben gestoßen. Danach müssen Hunderte von Objekten in der Königsstraße 50 gelagert gewesen sein. Bis auf die zwölf im Herbst entdeckten Skulpturen, die zum Teil starke Zerstörungen aufweisen, wurden demnach alle anderen Werke durch das Feuer vernichtet.

Nach Abschluss der archäologischen Arbeiten kann nun nur noch geklärt werden, warum es ein solches, bislang unbekanntes Sonderdepot in Mitte gab, obwohl die händlerische Verwertung durch das Ministerium und die anschließende Zerstörung der verbliebenen Werke offiziell als abgeschlossen galt. In einem nächsten Schritt soll rekonstruiert werden, wie groß tatsächlich das Lager in der Königstraße 50 war und wie das Haus ansonsten genutzt wurde.

Die geretteten Objekte sollen 2012, wenn sich die Propagandaschau „Entartete Kunst“ im Münchner Haus der Kunst zum 75. Mal jährt, in einer Wanderausstellung gezeigt werden. Die Skulpturen sind gegenwärtig im Neuen Museum auf der Museumsinsel zu sehen.

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