Kultur : Entdecken und Erwecken

OPER

Ulrich Pollmann

Deutsch-deutsche Vergangenheitsbewältigung verspricht das Projekt „Oper im Kontext“, die Wiedererweckung von in der späten DDR komponierten Opern steht auf dem Programm. Ein dankenswertes Ansinnen sicherlich, haben es doch ostdeutsche Komponisten im gesamtdeutschen Kulturleben schwerer als, sagen wir, Spreewaldgurken, die es mühelos in die Regale westlicher Supermärkte geschafft haben. Mit „Die Verweigerung“ war nun eine Gogol-Adaption des 2003 in Potsdam verstorbenen Gerhard Rosenfeld an drei Abenden im Ballhaus Naunynstaße zu hören. Unter der Regie von Anna Therese Schmidt gestalten Sänger und Musiker der „Hanns Eisler“-Hochschule das Stück wie alte Profis. Sänger, Musiker, Maske – alles wirkt souverän durchgestaltet, an charmanten Relikten studentischen Dilettierens kann sich das zahlreich zugegene Publikum nicht erfreuen. Uniformierte Sekretäre, menschliche Bleistifte, die tadellos funktionieren, besetzen die Bühne, sie intonieren eine putzige Fuge („viele kleine Buchstaben“). Aber einer macht nicht mit, versucht gar, die anderen aufzustacheln. Die Ermahnung des Amtsvorstehers lässt nicht lange auf sich warten, Stephan Bootz verdreht sie auch schauspielerisch brillant zur Groteske, derweil sich die Tochter des Direktors in den höchsten Tönen amüsiert. Die ganz große Entdeckung ist Rosenfelds Oper dennoch nicht. Das Odium der Gebrauchsmusik hängt ihr durchgängig an. Langeweile kommt nicht auf, aber poetische Momente, die im Gedächtnis bleiben, sucht man vergebens. Die Geschichte eines sich der gnadenlosen Routine des Arbeitsalltags durch Wahnsinn Verweigernden geht nicht unter die Haut.

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