Kultur : Entdeckung in Rheinsberg: "Die Fee Urgèle"

Uwe Friedrich

Zwei junge Männer verirren sich in ein Mädchenpensionat. Backfische nuckeln an ihren Limonadenflaschen und bestaunen die fremden Wesen. Eines der Mädchen verguckt sich in den hübscheren der beiden Männer und lässt sich von ihm küssen. Damit beginnt das Unglück - denn das Mädchenpensionat, in das sich die beiden Frauenhelden verirrten, ist in Wahrheit das Feenreich. Und hier ist die Liebe zu einem Menschen streng verboten.

Auch der ahnungslose Mann soll mit dem Tod bestraft werden. Einzige Gnadenmöglichkeit: Er muss herausfinden, was alle Frauen wollen. Das Mädchen aber - es ist die Titelfigur Fee Urgèle - wird in eine hässliche alte Frau verwandelt, damit es lerne, dass alle Männer nur auf äußerliche Schönheit reagieren. Das Ritterambiente des Singspiels "Die Fee Urgèle" des Rheinsberger Hofkomponisten Johann Peter Abraham Schulz interessiert den Regisseur Matthias Schönfeldt. Seine Inszenierung der 1782 in Rheinsberg uraufgeführten Oper im frisch restaurierten Schlosstheater erzählt vielmehr eine heutige Geschichte mit märchenhaftem Einschlag. Im rostroten Einheitsraum von Paul Zoller geht es vielmehr darum, ob Robert seine Urgèle wirklich so sehr liebt, dass er auch zu der alten Frau hält, die sie einmal sein wird. Das Ende auch: Natürlich liebt der Ritter sie nicht wirklich. Aber Urgèle hält trotzdem zu ihm und erzwingt so unter heftigem dramaturgischem Knirschen ein Happy End herbei, dem der Regisseur allerdings aus guten Gründen nicht recht trauen will.

Zum Chorgesang von ewiger Liebe entfernen sich die beiden von einander. Diese Schlusspointe kommt ein wenig didaktisch daher, und auch vorher erschienen einige Szenen nicht recht zu Ende geprobt. So ist die Wiederaufführung trotz großen spielerischen Einsatzes der Sänger kein richtig großer Wurf geworden. Der eigentliche Grund für die Reise nach Rheinsberg ist aber ohnehin die Musik von Johann Peter Abraham Schulz, und die könnte unter dem Dirigenten Roland Kluttig mit dem Ensemble Resonanz ohne Zweifel auch konzertant bestehen. Ein geschickt ausgewähltes Sängerensemble erweckt die abwechslungsreichen Arien und Duette zu neuem Leben.

Keine Spur von langweiligem Volksliedton nach Art von "Ihr Kinderlein kommet" und "Der Mond ist aufgegangen, den größten Hits von Johann Abraham Peter Schulz. Besonders Jeanne Pascale Schulze findet in der Titelpartie auch die anrührenden Töne zur Charakterisierung der verlassenen Fee. Heike Porstein lässt die Koloraturen der Feenkönigin funkeln, als handele es sich um eine nahe Verwandte von Mozarts "Königin der Nacht". Die beiden verirrten Männer Alexander Nikolic und Matthias Jahrmärker sind zwar nicht ganz auf dieser Höhe, bieten dadurch aber einen authentischen Höreindruck, schließlich wurden die Singspiele des späten 18. Jahrhunderts für singende Schauspieler geschrieben, die auch am Rheinsberger Hoftheater des Prinzen Heinrich durch reisende Gaststars unterstützt wurden.

Mit der historischen Aufführungspraxis haben die Bearbeiterinnen Claudia Schurz und Andrea Vilter jedoch nicht allzu viel im Sinn. Aus dem lückenhaften Notenmaterial haben sie mit eine neunzigminütige Fassung "Rheinsberg 2000" eingerichtet. Aber der Frühlingsausflug in die Mark Brandenburg lohnt sich auch alleine darum, um zu erfahren, was denn alle Frauen nun wirklich wollen.Weitere Aufführungen: 29. / 30. April und 6. / 7. Mai. Restkarten unter 033931/20 59

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