Kultur : Ephraim-Palais: Himmelsluft und Erdenstaub

Ephraim-Palais[bis 4. Juni],Poststraße 16[bis 4. Juni]

Auch wenn es ihn nicht mehr zu entdecken galt, so hat die große Retrospektive im Berliner Ephraim-Palais dennoch den Charakter einer Offenbarung. Denn seit einem Vierteljahrhundert ist erstmals wieder eine Ausstellung Eduard Gaertners zu sehen; nach Jahren der Trennung zwischen Ost und West, der Aufteilung seiner Werke auf Sammlungen von St. Petersburg bis Washington würdigt das Berlin-Museum diesen wichtigsten deutschen Vedutenmaler des 19. Jahrhunderts endlich - aus Anlass seines heutigen 200. Geburtstages. Vom Publikum seit Wochen bestürmt, wird dieser heimliche Star der historischen Berliner Stadtansichten in der Tat gefeiert, denn seit dem Mauerfall, seit man seinen Blickachsen aus heutiger Perspektive ungehindert folgen kann, erfreut er sich erneut größter Beliebtheit. Seien es nun seine damaligen Auftraggeber Friedrich Wilhelm III. oder ein befreundeter Schlossermeister, das Publikum der Vergangenheit wie der Gegenwart - Gaertner fasziniert zu allen Zeiten mit seinen akribischen Architekturnotaten, in die sich immer auch Alltägliches mischt, bürgerliches Leben sich gleichberechtigt neben königliches gesellt. Aus kleinsten Verhältnissen stammend, begann Gaertner seine Ausbildung als Porzellanmaler bei der Königlichen Manufaktur, wechselte dann über ins Atelier des Hoftheatermalers Carl Wilhelm Gropius, der ihn in der Technik perspektivisch-illusionistischer Malerei unterwies, um schließlich seine Lehrjahre in Paris zu vollenden, wo er sich endgültig für die Stadtvedute als sein Hauptbetätigungsfeld entschied. Die große Nachfrage nach den auf den Dächern Berlins entstandenen Panoramabildern, die er bis nach St. Petersburg lieferte, sollte ihm recht geben.

Die von dort nun gastweise an ihren Entstehungsort zurückgekehrten Bilder haben von ihrer Lebendigkeit nichts eingebüßt. In ihnen legen sich die Blicke von gestern und heute fast zeitlos übereinander, denn noch immer wirkt in Gaertners Gemälden jene "eigenthümliche Mischung von Erdenstaub und Himmelsdunst", wie sie ein zeitgenössischer Rezensent beschrieb. Unsere Abbildung zeigt "Ein Panorama von Berlin, von der Werderschen Kirche aus aufgenommen" von 1834.

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