EPISODEN-DRAMA„Auf der anderen Seite“ : Liebe, Flucht, Tod

Daniela Sannwald

Fatih Akin behauptet nicht, das Kino neu erfunden zu haben wie viele seiner zeitgenössischen türkischen und deutschen Kollegen. Er kämpft nicht verzweifelt um Originalität, weil er ohnehin gewaltige Gefühle in Szene zu setzen vermag, ohne sich vor Sentimentalität zu fürchten. Cool sind Akins Figuren nicht, vielmehr lässt er sie höchstes Glück und größten Schmerz durchleben – Emotionen, die alle zwischenmenschlichen Beziehungen in seinen Filmen bestimmen. In seinem neuen Spielfilm „Auf der anderen Seite“ erzählt er zwei Geschichten: Sie laufen parallel und dann zusammen, aber nur an den Rändern. Die eigentlichen Hauptfiguren begegnen sich nie, das Ende bleibt offen.

Auf der einen Seite liegt Bremen, wo die türkischstämmige Prostituierte Yeter und der Rentner Ali eine pragmatische Beziehung beginnen. Er ist zunächst ihr Kunde, bietet ihr dann aber an, bei ihm einzuziehen und mit ihm zu leben – gegen Bezahlung. Yeter hat eine Tochter, die in der Türkei studiert, Ali einen Sohn, der als Germanistikprofessor in Hamburg arbeitet. Nach Yeters Tod, den Ali verursacht hat, reist dessen Sohn nach Istanbul, um ihre Tochter zu suchen, während sein Vater ins Gefängnis kommt.

Auf der anderen Seite liegt Istanbul, wo Yeters Tochter Ayten, Angehörige einer politisch missliebigen Vereinigung, bei einer Demonstration knapp einer Verhaftung entgeht. Sie flieht nach Deutschland, zu Genossen in Hamburg und trifft dort auf die Studentin Lotte. Die beiden Frauen verlieben sich ineinander, Ayten zieht zu Lotte und ihrer Mutter, wird jedoch nach einer Polizeikontrolle wegen falscher Papiere in Abschiebehaft gesteckt und muss schließlich zurück nach Istanbul, um eine Haftstrafe zu verbüßen. Lotte fährt ihr nach, begegnet Alis Sohn Nejat, der dort inzwischen eine deutsche Buchhandlung übernommen hat, mietet sich bei ihm ein, fällt aber wenig später einem tragischen Unfall zum Opfer. Nun reist auch ihre Mutter nach Istanbul, in derselben Maschine wie der inzwischen aus der Haft entlassene Ali.

Wenn Nejat am Schluss des Films am Strand des Schwarzen Meer sitzt, um darauf zu warten, dass sein Vater vom Fischen heimkehrt, dann ist das eine der schönen, stillen Szenen, die in diesem dramatischen Film auch ihren Platz haben. Und das ist vielleicht das Beste daran. Familiendrama mit überraschenden Wendungen. Daniela Sannwald

„Auf der anderen Seite“, D 2007, 122 Min.,

R: Fatih Akin, D: Nurgül Yesilcay, Baki Davrak

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