Kultur : „Er fängt den göttlichen Funken“ Aus der Begründung des Nobel-Komitees

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„Der Nobelpreis in Literatur 2003 wird dem südafrikanischen Schriftsteller J.M. Coetzee verliehen, der in zahlreichen Verkleidungen das erstaunliche Beteiligtsein des Außenseiters zeigt. J.M. Coetzees Romane zeichnen sich durch raffinierte Komposition, verdichteten Dialog und analytische Brillanz aus. Aber er ist gleichzeitig ein gewissenhafter Zweifler, schonungslos in seiner Kritik der grausamen Vernunft und der kosmetischen Moral der westlichen Zivilisation. Seine intellektuelle Ehrlichkeit zersetzt alle Grundlagen des Trostes und distanziert sich vom billigen Theater der Reue und des Bekenntnisses. (...) Wie der Mann in einem bekannten Gemälde Magrittes, der seinen Nacken im Spiegel sieht, stehen Coetzees Gestalten in den entscheidenden Augenblicken unbeweglich hinter sich selbst, unfähig, in ihren Handlungen anwesend zu sein. Aber die Passivität ist nicht nur der dunkle Dunst, der die Persönlichkeit verschluckt, sie ist auch das äußerste Mittel, das der Mensch hat, der einer unterdrückenden Ordnung trotzen will, indem er sich vor ihren Absichten unerreichbar macht. Indem er Schwäche und Niederlage erforscht, fängt Coetzee den göttlichen Funken des Menschen.“

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