Kultur : Er schenkt einem nichts

Realpolitiker, Netzwerker, Filmfreund: Stimmen zur Berufung Bernd Neumanns

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Michael Naumann, erster

deutscher Kulturstaatsminister:

Bernd Neumann habe ich als verlässlichen Gesprächspartner und wirklichen Kenner der Filmszene erlebt. Belastet ist sein Amt durch die zögerliche Berufung von Seiten der Kanzlerin, die nichts Gutes für seinen Amtsantritt verheißt. Nach meiner Erfahrung ist ein Kulturstaatsminister nur dann wirkungsmächtig, wenn er Merkels 100-prozentige Rückendeckung hat. Er braucht sie in der permanenten Auseinandersetzung mit den Ländern; und in finanziellen Notsituationen, die es in der Kultur immer wieder gibt, wird er die Kanzlerin davon überzeugen müssen, dass sie den Finanzminister überredet. Eine wichtige Aufgabe wüsste ich schon für den Bremer Neumann: die Rückführung der Baldin-Sammlung, die sich bis heute in der Deutschen Botschaft in Moskau befindet, weil sich die Russen nicht an ihr eigenes Beutekunstgesetz halten.

Hortensia Völckers, Direktorin der Kulturstiftung des Bundes:

Ich bin neugierig auf Herrn Neumann, bisher kenne ich ihn nur aus dem Kulturausschuss des Bundes, wo er sich als sehr kundig bei den Themen Medien und Filmförderung erwiesen hat. Was die geplante Fusion der Bundeskulturstiftung mit der Kulturstiftung der Länder betrifft: Sie darf nicht nur eine Geste sein, sondern muss mit einer wirklichen Qualitätssteigerung einhergehen.

Joachim Sartorius, Indendant der Berliner Festspiele:

Als Bremer kann Bernd Neumann mit Tankern und Leuchttürmen souverän umgehen. So hoffe ich, dass der neue Minister die Entwicklung der Berliner Festspiele, vor allem auch des Martin-Gropius-Baus, engagiert begleiten wird. Denn die Berliner Festspiele sind ein wesentlicher Teil des kulturellen Engagements des Bundes in Berlin und für Berlin. Eine Dauerkarte für alle Festspielveranstaltungen wird gerade gedruckt. Gültig ab heute: Isabelle Huppert.

Klaus-Dieter Lehmann, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz :

Bernd Neumann ist nicht die Strahlefigur, die die Kultur personalisiert, und auch nicht die Überraschung, die sich manche erhofft hatten. Aber er ist ein Ermöglicher, ein Netzwerker im positiven Sinne. Ich habe ihn in den nun knapp acht Jahren im Kulturausschuss immer als ausgesprochen konzentrierten Zuhörer, sehr präzisen Fragesteller und sachlichen Befürworter erlebt, als einen, der Themen langfristig vorbereitet und dann die nötigen Rahmenbedingungen schafft. Speziell was die drei großen Themen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz angeht: Museumsinsel, Schlossplatz und Restitution von „Beutekunst“, sind im Koalitionsvertrag deutliche Zusagen gemacht. Er ist ein gestandener Typus, absolut glaubwürdig, ein ausgesprochener Realist, und wird sich von seinen Politikerkollegen nicht die Butter vom Brot nehmen lassen. Und die Kultur braucht diese Butter.

Thomas Flierl, Berlins Kultursenator:

Zwischen dem Land Berlin und dem Bund hat sich eine konstruktive Zusammenarbeit entwickelt, die vom gemeinsamen Interesse an einer verstärkten Übernahme gesamtstaatlicher Verantwortung und deutlicherer kulturpolitischer Präsenz des Bundes in seiner Hauptstadt geprägt war. Ich erwarte, dass diese konstruktive Kooperation unter dem neuen Kulturstaatsminister fortgesetzt wird und wir darüber bald ins Gespräch kommen.

Heinz Glässgen,

Intendant von Radio Bremen:

Herr Neumann war über 30 Jahre in unserem Rundfunkrat: ein Eckpfeiler der Gremienarbeit, kompetent, verlässlich, zielstrebig. Ich wünsche ihm, dass er Akzente bei der Kulturzuständigkeit des Bundes setzt, bei der es immer wieder Reibungsflächen mit den Ländern gibt. In der Bremer großen Koalition hat er die Gesichtspunkte des politischen Partners immer mit einbezogen, ohne die eigene Position in Frage zu stellen. Er schenkt einem nichts, verlangt klare Denke, ein klares Ziel. Aber wenn man sich mit ihm geeinigt hat, kann man sich auf ihn verlassen.

Rolf Bolwin, Direktor des

Deutschen Bühnenvereins:

Es ist das erste Mal, dass ein professioneller Politiker das Amt übernimmt. Wir hoffen, dass der Einfluss des Amtes auf andere Politikfelder größer wird es bislang.

Günter Rohrbach, Präsident der Deutschen Filmakademie:

Jahrzehntelang hat die Branche darunter gelitten, dass Kino für die zuständigen Minister nur eine Jugenderinnerung war. Mit den Kulturstaatsministern hat sich das geändert. Neumann ist ein eifriger Kinogänger und engagierter Ansprechpartner. Wir sind zuversichtlich, dass er möglichen Bemühungen des Finanzministers, der Filmbranche an den Kragen zu gehen, widerstehen wird.

Kirsten Niehuus, Geschäftsführerin der Medienboard Berlin-Brandenburg:

Eine tolle Berufung! Neumann hat sowohl die kulturelle Bedeutung der Filmproduktion als auch deren wirtschaftliche Rahmenbedingungen im Blick. Darüber kann die Branche nur glücklich sein.

Dieter Kosslick, Berlinale-Chef:

Bernd Neumann hat sich immer für das Medium Film interessiert und sich besonders für den deutschen Film engagiert. Wir freuen uns, einen Filmfreund als Kulturstaatsminister zu haben.

Dieter Hildebrandt, Kabarettist:

Ich bin etwas erstaunt, dass man keinen anderen erwischt hat. Tsp/dpa

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