Kultur : Er!

„Das Medaillon“ mit Jackie Chan

Frank Noack

Der Film hat gerade seine Halbzeit erreicht, da passiert etwas Ungeheuerliches. Jackie Chan stirbt! Wie kann man den Star eines Films zur Halbzeit sterben lassen? Alfred Hitchcock hat das bei „Psycho“ gewagt, aber Janet Leigh war nicht Jackie Chan. Dessen Name steht für gute Laune, und daher darf man ruhig verraten, dass sein Tod nur ein vorübergehender Zustand ist. Schuld ist das Medaillon: Es besitzt übernatürliche Kräfte, die nur ein kleiner Junge aus Hongkong steuern kann. Doch der Schurke Snakehead (Julian Sands) will damit die Welt erobern.

Ein zaghafter Mut zum Finsteren zeichnet den von Gordon Chan inszenierten Film aus. Er ist nie unnötig brutal: Selbst wenn Ganoven mit dem Maschinengewehr herumballern, entwaffnet Jackie Chan alias Inspektor Eddie Yang sie mit seinen Fäusten und entleert die Magazine. Die Schurken schlagen ihre Opfer nur bewusstlos, niemals tot. Dennoch sind Tod und Verlust allgegenwärtig – mutig für einen Jackie-Chan-Film. In der originellsten Actionszene verfolgt der Martial-Arts-Komiker einen Bösewicht über die Tische eines Gartenrestaurants und richtet keinen Schaden an. Phantasievolle Ausleuchtung und Ausstattung erfreuen das Auge, während das dubiose Happy-End verstört: Die Helden sind tot, aber es macht nichts, denn mit Hilfe des Medaillons wurden Doppelgänger geklont.

In 13 Berliner Kinozentren; Originalfassung im Cinestar Sony Center

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