Kultur : Erfolg auf Erfolg im Jubeljahr

Neue Zahlen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz

Bernhard Schulz

Ihre Festtagsfreude will die Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit der ganzen Welt teilen: Das zu Ende gehende Jahr 2007 sei das „bisher erfolgreichste Jahr der Stiftung“, vermeldet die SPK – gegen alle Gewohnheit bereits vor der für Januar angesetzten Jahresrückschau. 2007 konnte das 50. Jubiläum der Stiftungsgründung durch den Deutschen Bundestag am 25. Juli 1957 gefeiert werden – und nun hebt die neueste Statistik nochmals die Stimmung. Gleich um 20 Prozent schnellte die Zahl der Museumsbesuche hoch, auf über fünf Millionen, und liegt damit in Regionen, in denen der Louvre oder das British Museum beheimatet sind. Der Berliner Erfolg liegt weiter über dem Bundestrend. Das zum SPK-Imperium zählende Institut für Museumsforschung hat gerade für 2006 einen Zuwachs der bundesweiten Museums- und Ausstellungsbesuche um 1,2 Prozent auf 110 Millionen ermittelt.

Die Staatsbibliothek kam 2007 mit einem Plus von 15 Prozent auf knapp zwei Millionen Ausleihen. Sie befinde sich „in einer Phase des erfolgreichen Umbaus zu einer digitalen Bibliothek mit neuen Organisationsformen und Serviceleistungen“, heißt es seitens der SPK. Chapeau!, kann man da nur sagen. Es wurde schließlich höchste Zeit. Zudem „verstärkten die Museen ihr Profil als wissenschaftliche Einrichtung“, wird mitgeteilt; Näheres dazu dann Anfang Januar. Gab es also Nachholbedarf, wie mancherorts geunkt wird?

Um das Jubeljahr vollständig zu machen, brachte die SPK vorgestern auch noch ihr Jahrbuch heraus; dem Brauch folgend ist es dem Vorjahr gewidmet, also 2006. Auch das war bereits ein Festjahr, wurde doch das runderneuerte Bode-Museum wiedereröffnet. Der Namenspatron und eigentliche Schöpfer des Hauses, der legendäre Berliner Museums-„General“ Wilhelm von Bode, wird in Aufzeichnungen seiner Tochter von 1930 ins Gedächtnis gerufen. Dann folgt ein spannender Aufsatz von Julien Chapuis über „Bode und Amerika“. Der 39-jährige Kurator der von Bodes Ideen angeregten Dependance des New Yorker Metropolitan Museums, „The Cloisters“, gab damit offenbar seine Visitenkarte ab: Soeben wurde er zum Leiter der Skulpturensammlung, de facto also des – übrigens hervorragend besuchten – Bode-Museums berufen.

Kontrovers gelesen werden dürfte der umfassende Beitrag des Landeskonservators Jörg Haspel zum Restaurierungskonzept für das – baulich nahezu fertiggestellte – Neue Museum. Haspel ist bekanntlich kein Freund von Rekonstruktion. Er bekennt sich zur „ergänzenden Wiederherstellung“. Der weithin erhobene Vorwurf, „dass auf eine getreue Nachbildung verlorener Bauteile und Ausstattungselemente verzichtet“ werde und das Denkmal „künftigen Generationen nur präsentiere, was die Geschichte der Gegenwart hinterlassen“ habe, „stimmt wohl“, wie Haspel bündig einräumt. Dass das Haus jedoch „gewiss mehr historische Substanz und Originaloberflächen“ berge „als jedes andere Haus auf der Insel“, lässt aufhorchen. Ist in den anderen Museumsbauten sorgloser verfahren worden? Hat umgekehrt erst der Protest der Öffentlichkeit bewirkt, dass die ursprünglich vorgesehene Radikalbeseitigung der kriegsbeschädigten Ausstattung des Neuen Museums unterlassen wurde? David Chipperfield, der Architekt des Wiederaufbaus, steht unbeirrt dazu, die Spuren der Geschichte bis zum letzten Einschussloch zu konservieren: „Warum sollen wir sie verleugnen?“ Nachzulesen in der aktuellen Ausgabe des „Spiegel“. Das neue Stiftungsjahrbuch kommt also goldrichtig.

Jahrbuch Preußischer Kulturbesitz, Bd. XLIII/2006. Gebr.-Mann-Verlag, Berlin 2007. 460 Seiten mit 91 Abbildungen, 25 €.

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