Kultur : Erfrischendes Wechselbad mit Musik Klassik am Weberplatz mit „Carmina burana“

Klaus Büstrin

Zunächst waren Loblieder zu hören. Angestimmt haben sie unter anderen Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) und Pfarrerin Sabine Müller-Becker von der Babelsberger Kirchgemeinde. Sie galten dem jungen Potsdamer Dirigenten Knut Andreas als Ideengeber sowie fantasievollen und beharrlichen Organisator von „Klassik am Weberplatz. Dank und Lob wusste er weiter zu tragen an die vielen Förderer und Helfer, die das Babelsberger Open-Air-Ereignis ermöglichten.

Am Samstagabend fand nach der erfolgreichen Premiere im vergangenen Jahr ein weiteres Konzert vor der stimmungsvoll illuminierten barocken Friedrichskirche statt. Weit mehr als 1000 heiter gestimmte Zuhörer, junge und alte, trafen sich, um vor allem Carl Orffs „Carmina burana“ zu hören. Knut Andreas hat für das Werk ohne Probleme „sein“ Collegium musicum Potsdam, ein Liebhaberorchester, begeistern können. Zum Orchester gesellten sich zwei Chöre aus Slowenien: der St. Nicholas Chor Litija sowie VIVA Breÿice. Mit von der Partie war auch der Kinder- und Jugendchor Potsdam.

Im ersten Teil des Konzertabends war mit Beethovens „Freude, schöner Götterfunke“, dem Gefangenenchor aus Verdis „Nabucco“ und slowenischen Volksliedern ein sommerlich bunter Mix zu vernehmen, der bereits einen ganz entspannten Auftakt verhieß. Nur die weitgehend unbefriedigende Qualität der Tonübertragung, die sich bei der „Carmina burana“ fortsetzte, trübte den Genuss.

Kein anderes Werk Carl Orffs hat auch nur annähernd eine Popularität wie die Vertonung der mittelalterlichen, bald derben, bald lyrisch versponnenen Verse erreicht, die der Benediktbeurer Liederhandschrift entnommen sind. Dass „Carmina burana“ gar zum beliebtesten Chorwerk des 20. Jahrhunderts werden konnte, begreift man angesichts der Direktheit der Tonsprache ohne weiteres. Wobei Direktheit nicht mit Einfachheit oder Monotonie zu verwechseln ist. Denn der formelhaften, auf sich ständig wiederholenden Rhythmen beruhenden Tonsprache steht eine unglaubliche Vielfalt von Bildern gegenüber, die in rascher Folge wechseln.

Knut Andreas, der auswendig dirigierte, versuchte die vier musikalisch gut vorbereiteten Klangkörper aus Slowenien und Potsdam zusammenzubringen, was ihm auch weitgehend gelang. Routine war in keinem Augenblick zu vernehmen. In einem erfrischenden Wechselbad erklang das Werk in seinen verschiedenen Gangarten, mit ihrem geheimnisvollen Dunkel, den schwungvollen Momenten sowie den dramatischen Ausbrüchen. Alle Mitwirkenden waren engagierte Anwälte der Musik. Das gilt auch für die Solisten, für Katharina Wingen, Sopran, dem Tenor Mircea Nedelescu sowie dem Bariton Thomas Wittig. Mit seiner wunderbaren stimmlichen Ausdruckspalette konnte Wittig besonders für sich einnehmen.

Das Publikum war von der Aufführung begeistert und machte dies mit fleißigem Applaus deutlich. Für das kommende Jahr ist ein weiteres Konzert angekündigt. Klaus Büstrin

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