Kultur : Erfüllte Zeit

Stephen Hawking erzählt seine „kurze Geschichte“.

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Natürlich ist der Titel von Stephen Hawkings Autobiografie „Meine kurze Geschichte“ mit Bedacht und Hintersinn gewählt, verweist er doch auf Hawkings Bestseller „Eine kurze Geschichte der Zeit“. Tatsächlich fasst sich der seit seinem 21. Lebensjahr an der Amytrophen Lateralsklerose erkrankte, inzwischen 71 Jahre alte Hawking auch beim Erzählen seiner Lebensgeschichte kurz: einerseits mitunter enttäuschend kurz, wie ein präziser, auf unnötige Worte und Psychologisierungen verzichtender Naturwissenschaftler; andererseits verständlich kurz, nötigt dem schwer behinderten, auf einen Sprachcomputer angewiesenen Physiker und weltberühmten Kosmologen doch jeder Satz größte Anstrengungen ab.

Auf mit vielen Fotos aus seinem Privatarchiv bestückten 150 Seiten berichtet Hawking chronologisch von seiner Kindheit und Jugend, den beiden Ehen (aus der ersten gingen drei Kinder hervor) sowie von seiner beruflichen Laufbahn. Sachlich und nüchtern wird die ihn zunehmend mehr einschränkende, oft lebensbedrohliche Erkrankung mehr erwähnt als einer eingehenden Betrachtung unterzogen. Ein „Schock“ sei die Erkenntnis gewesen, dass er womöglich bald sterben werde, gesteht Hawking ein. Trotzdem begann er von nun an, sein Leben, das ihn vorher des Öfteren gelangweilt habe, erstmals zu genießen – und er auch erstmals richtig und intensiv zu arbeiten. „Gravitationswellen“, „Schwarze Löcher“ und „Der Urknall“ heißen dann auch mehrere Kapitel in dieser Autobiografie. Darin erläutert Hawking genau diese, ihn sein Berufsleben lang intensiv beschäftigende Phänomene. Später geht es um die Zeit, um Zeitreisen und deren Unmöglichkeit (sonst würde es ja bei uns von Touristen aus der Zukunft nur so wimmeln, so Hawking) und auch um das Making-of seines Bestsellers.

Stephen Hawking verweigert jede Innenschau und verweist lieber auf die Vorteile, die sich ihm dadurch boten, allein auf den Geist angewiesen zu sein. Von einem „guten“ und „erfüllten“ Leben spricht er am Ende – und dass sich „behinderte Menschen auf die Dinge konzentrieren“ sollen, „die ihnen möglich sind, statt solchen hinterherzutrauern, die ihnen nicht möglich sind.“ In seinem Fall ist aus dieser Devise viel mehr als nur das Bestmögliche geworden. Gerrit Bartels

Stephen Hawking

Meine kurze Geschichte. Aus dem Englischen von Hainer Kober. Rowohlt

Verlag, Reinbek 2013.

150 Seiten, 19,95 €.

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