Kultur : Erhängt und angemalt

Steffen Richter

Einige Meldungen der letzten Wochen: In Österreich ist ein langjähriger Entführungsfall zu Ende gegangen; die spanische und französische Polizei hat geschmuggeltes Kokain im Wert von 350 Millionen Euro sichergestellt; in Berlin gab es eine Flucht aus der Haftanstalt. Kein Wunder, dass er boomt, der Kriminalroman. Doch es ist nicht nur eine Frage des Stoffs, die ihn zum wohl produktivsten Prosagenre der letzten 150 Jahre macht.

Wirft man einen Blick in Gilbert Adairs wundersames Buch mit dem Titel „Mord auf ffolkes Manor“ (C.H. Beck), glaubt man, in eine vergangene, wenngleich wohlbekannte Welt einzutauchen. Es gibt ein eingeschneites Herrenhaus mit Kamin und Standuhr beim englischen Dartmoor und eine Leiche im abgeschlossenen Dachgeschoss. Alle Anwesenden sind verdächtig und werden von der Kriminalschriftstellerin Evadne Mount befragt. Wen das Setting an Agatha Christie erinnert, der liegt richtig. Denn was Adair „eine Art Kriminalroman“ nennt, ist eine perfekte Stil-Imitation des englischen Rätselkrimis der Dreißiger. Diesem feinen Amusement à l’anglaise kann man am 15.9. (20 Uhr) in der Literaturwerkstatt (Knaackstr. 97, Prenzl’ Berg) beiwohnen, wenn Gilbert Adair über sein Remake eines klassischen Whodunit spricht.

Etwas gegenwärtiger geht es beim Schweden Åke Edwardson zu. Kommissar Erik Winter hat in seinem siebten Fall im „Zimmer Nr. 10“ (Claassen) eines Göteborger Hotels zu tun. Dort findet er eine erhängte junge Frau – mit einer weiß bemalten Hand. Bald schwant ihm, dass die Geschichte mit einem ungelösten Fall zu tun hat, der 20 Jahre zurückliegt. Aufgabe der Polizei sei es, hat Edwardson einmal gesagt, in den „rauchenden Ruinen der schwedischen Wohlstandsgesellschaft aufzuräumen“. In Lehmanns Fachbuchhandlung (Hardenbergstr. 5, Charlottenburg) kann man am 14.9. (20 Uhr 15) bei den Aufräumarbeiten zuhören.

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