Erika Pluhar : Herzdame

"I geb ned auf": Zum 70. von Erika Pluhar.

Verena Mayer
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Erika Pluhar

Über berühmte Schauspieler wird gerne gesagt, dass sie ja immer nur sich selbst spielen. Im Fall der Wiener Schauspielerin Erika Pluhar stimmt das sogar. Ob sie spielt oder ihre Chansons singt oder aus ihren Büchern liest – sie ist in jeder Rolle Erika Pluhar. Beziehungsweise „die Pluhar“. Sie selbst zu bleiben – diesem Motto hat sie ihr Leben und ihre Kunst verschrieben. Sie singt: „Ich glaube, ich gehöre nur mir“, sie hat mit 42 ihre Tagebuchaufzeichnungen veröffentlicht und mit 58 den ersten Teil ihrer Autobiographie. Erika Pluhar spricht darin über Liebe und Gefühle mit derselben Selbstverständlichkeit, mit der sie ihr graues Haar ungefärbt lässt. Vor allem Frauen lieben sie für ihre Erscheinung, diese bis in die Fingerspitzen kontrollierte Eleganz – ein Gesamtkunstwerk als Dame.

Begonnen hat sie ihre Karriere mit 18, als sie sich am Reinhardtseminar bewarb, der renommierten Wiener Schauspielschule. Unter hundert Bewerbern setzte sie sich durch. Für die in einfachen Verhältnissen groß gewordene Pluhar war die Schauspielerei auch sozialer Aufstieg. Gerade mal zwanzig Jahre alt, schaffte sie es an den Olymp: das Wiener Burgtheater. Sie spielte viele große Frauen, Antigone, Hedda Gabler, Maria Stuart, Fräulein Else, vierzig Jahre lang.

In Wien ist Erika Pluhar bis heute eine Ikone. 1970 heiratete sie den jungen André Heller, der die „Bühnengöttin“ in seinen Liedern verewigte. Er war es auch, der sie zum Chanson brachte, die Beziehung hielt drei Jahre. Überhaupt die Männer. Ihrem Chef Claus Peymann, Burgtheaterdirektor von 1986 bis 1999, gefiel ihr gekünstelter Schauspielstil nicht. Und ihr erster Ehemann Udo Proksch war nicht nur ein Liebling der Wiener Gesellschaft, sondern wurde später wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt, Erika Pluhar gehörte zu den wenigen, die ihn im Gefängnis besuchten.

Seit sie nicht mehr Theater spielt, singt sie und schreibt autobiografisch gefärbte Bücher über starke Frauen. Dass die Kritik ihr nicht immer gewogen ist, trägt sie mit Fassung. „I geb ned auf“, heißt eine ihrer CDs. Das würde eine Dame auch nie tun. Verena Mayer

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