Erinnerung an Damaskus : Zerstörte Welt

Suleman Taufiqs Damaskus-Roman „Café Dunya“ erinnert an eine Welt, die es so wohl bald nicht mehr geben wird

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Männer mit Wasserpfeife in einem Café irgendwo in der Altstadt von Damaskus, 2009. Suleman Taufiq setzt der Kultur des Caféhauses in Syrien ein literarisches Denkmal.
Männer mit Wasserpfeife in einem Café irgendwo in der Altstadt von Damaskus, 2009. Suleman Taufiq setzt der Kultur des Caféhauses...Foto: IMAGO

Damaskus – ein magischer Name und Ort, der allmählich nostalgische Erinnerungen an glücklichere Tage wachruft. Wer einmal das quirlige Leben der Altstadt erfahren hat, vergisst es nicht mehr. So geht es dem Erzähler Samir aus Suleman Taufiqs schmalem Roman „Café Dunya. Ein Tag in Damaskus“. Ein junger Mann, der einst zehn Jahre in Deutschland studiert und gearbeitet hatte, kehrt zurück in seine Heimatstadt, um seiner alten Mutter beizustehen.

Doch der junge Mann hat sich verändert, Deutschland hat ihn verändert, und Damaskus ist ihm fremder geworden. Gleichzeitig verliebt er sich wieder in seine alte Stadt – und in eine schöne junge Frau, die ihm täglich im Bus verstohlene Blicke zuwirft. Samir ist fasziniert von der Unbekannten und folgt ihr in das Gassengewirr der Altstadt, die auf ihn wie ein Gebäude wirkt. „Die Häuser waren seine Zimmer, die Straßen seine Korridore, die Gassen seine Flure. Überall luden hölzerne Türen mit verzierten goldenen Handgriffen zur Einkehr ein. Ein schöner Ort.“

Coverabbildung Café Dunya von Suleman Taufiq.
Coverabbildung Café Dunya von Suleman Taufiq.Foto: Edition Orient

So gelangt er zu einem kleinen Platz in der Altstadt, an dem das Café Dunya liegt, ein traditioneller Treffpunkt von Künstlern, Intellektuellen, aber auch den Bewohnern des Viertels. Samir taucht ein in den Kosmos des Cafés, das 1910 gegründet wurde und schon viel erlebt hat.

Der deutsch-syrische Schriftsteller Suleman Taufiq, der 1953 in Beirut geboren wurde, entwickelt ein ganzes Panorama von originellen Figuren, die mit ihren vielen Geschichten die Kaffeehausrunde unterhalten und die alten Zeiten wieder aufleben lassen. Dabei hat er die einzelnen Kapitel mit Uhrzeiten überschrieben, was die Spannung erhöht. Denn man will wissen, was es mit dieser Frau auf sich hat. Und Samir spürt: Diese Welt wird es schon bald nicht mehr geben, sie vergeht. Gut, dass Taufiq ihr mit seinem „Café Dunya“ zumindest ein literarisches Denkmal gesetzt hat. Rolf Brockschmidt

Suleiman Taufiq: Café Dunya. Ein Tag in Damaskus. Edition Orient, Berlin 2015. 128 Seiten. 17,90 €.

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