Kultur : Erinnerungen an längst vergessene Jugendzentrumstage

Martin Schlögl

Liederabende mit der akustischen Gitarre sind schon fast ein Anachronismus. Trotzdem, oder gerade deshalb, sollte diese Art des Musizierens besonders gehegt und gepflegt werden. Diese Aufgabe hat man sich im Berliner Hanfmuseum zu eigen gemacht. Dort ist man es ja gewohnt, weitab von Kommerz und Mainstream zu arbeiten. Am Sonntag fand der Auftakt zu einer Reihe regelmäßig stattfindender Liederabende statt (zukünftige Termine stehen noch nicht fest). Als Hausband wurden die Shaiguys, drei populäre Straßenmusiker, engagiert. Das Café im Keller des Museums fungierte als Auftrittsort. Das Konzert war gut besucht, das heißt: Jeder der ungefähr 25 Besucher hatte einen eigenen Sitzplatz, den er nicht rotationsgemäß an Nachrücker abtreten musste. Die Atmosphäre erinnerte an längst vergessene Jugendzentrumstage: friedliches Beisammensein bei Kerzenlicht und Tee, getragen von den Klangwolken von Dylan bis Degenhardt. Die Band - zwei Gitarren, eine Geige und Gesang - spielte fast zwei Stunden. Neben Eigenkompositionen wurden natürlich auch der eine oder Evergreen aufgegriffen. Das Publikum selbst saß nicht nur stumm da, sondern nahm aktiv am Happening teil. Sei es durch Mitsingen, Mitklatschen oder Handauflegen. Auch geredet wurde viel. Vorzugsweise mit der Band. Als diese ihr Set beendete, nahm das Publikum kurzerhand das Instrumentarium selbst in Beschlag und eröffnete den zweiten, inoffiziellen Teil des Liederabends. Und der ging - wie damals - noch sehr lange ... Ein durch und durch gelungener Abend.

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