Kultur : Erlaubt ist, was geklaubt

Ein

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von Christiane Peitz

Diese Glosse ist geklaut. Kein Wort, das nicht dem Lexikon entwendet wäre. Zwar soll man keine Dummheit zweimal begehen, die Auswahl ist schließlich groß genug. Aber das Klauen in der Literatur und der Kunst, vornehm Plagiat genannt – von plagios, griechisch für unredlich –, ist justiziabel und gar nicht beliebt. Denn es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn der Geist stiehlt, wo er kann. Da bezichtigt Daniel Libeskind seinen Kollegen Peter Eisenman des geistigen Diebstahls, weil dessen MahnmalStelen denen im Garten des Jüdischen Museums ähnlich sehen. Aber ist das Plagiat nicht das Aufrichtigste aller Komplimente? Nun soll das Stelenfeld auch noch aus einem alten italienischen Zeichentrick-Film abgekupfert sein, meldet „Die Zeit“. Tja, die Geschichte lehrt dauernd, und sie findet manchmal doch Schüler. Sieht nicht die alltägliche Schrägdraufsicht auf die Computertastatur irgendwie auch nach schiefem Stelenfeld aus? Erlaubt ist, was gefällt, Gedanken, und seien es kreative, sind zollfrei. Aber man hat doch Scherereien, wegen des Urheberrechts.

Erst letzte Woche sah sich „Schwarm“Autor Frank Schätzing dem Plagiats-Vorwurf ausgesetzt. Aus dem Internet soll er seine meeresbiologischen Informationen destilliert haben. Ja woher denn sonst? Selbst ist der Mann, das sagt sich so leicht. Aber alles Gescheite ist längst gedacht worden. Wenn der Eigensinn die Energie der Dummen ist, dann nicht zuletzt deshalb, weil auf der Festplatte namens Gedächtnis der Informations-Papierkorb des Unbewussten hoffnungslos überquillt. Nur die Oberflächlichen kennen sich selbst und wissen, was genau auf ihren eigenen Mist gewachsen ist. Was sollen wir von der Zeitung erst dazu sagen? Echte News, mal ehrlich, sind rar. Zum Glück lässt unser Erinnerungsvermögen zu wünschen übrig, weshalb die tägliche Ausgabe keineswegs nur mit dem Neuesten vom Neuen aufzuwarten braucht. Nein, unsere Worte gehorchen uns nicht.

Und deshalb ist auch das hier eben alles nur geklaut und gestohlen, nur gezogen und geraubt. Von Sartre, Schiller, Paul Valéry, Ingeborg Bachmann, Goethe, Karl Kraus, Oscar Wilde, Sarah Kirsch und den Prinzen. Tschuldigung, das hab ich mir erlaubt.

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