Kultur : Ernst-Busch-Schauspielschule: Puppenspieler obdachlos: eine Berliner Farce

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Die renommierte Abteilung für Puppenspielkunst der Ernst-Busch-Schauspielschule scheint ihre verspätete "Abwicklung" zu erleben. Nicht anders kann der Rektor der Hochschule, Klaus Völker, das Entscheidungschaos des Berliner Senats erklären, mit dem die Frage der Unterbringung der Abteilung seit Jahren verschleppt wird. Das mehrstöckige Wellblechgebäude am Ostkreuz, das zwischen rostigen Autowracks und mannshohem Unkraut das Puppenspielinstitut seit acht Jahren provisorisch beherbergt, ist asbestverseucht und muss umgehend geräumt werden. Doch der Lehrbetrieb geht unverändert weiter. Tatsächlich täten Professoren und Studenten nichts lieber, als das lange zum Abriss bestimmte Gemäuer schnellstens zu verlassen. Nur wohin? Die Geschichte dieser ungelösten Frage klingt in Völkers Darstellung wie eine Bürokratiefarce Gogolschen Ausmaßes: 1992, als die Puppenspieler ihr altes Quartier an einen neuen Eigentümer verloren, versprach die Senatsverwaltung, sie für höchstens drei Jahre in dem alten Bau in Lichtenberg unterzubringen - ab 1995 sollte dort die Olympiastadt 2000 entstehen. Doch sobald das Olympia-Projekt geplatzt war, verlor der Senat auch an der Zukunft der Puppenspieler das Interesse. So suchte sich die Ernst-Busch-Schule in einer alten Brauerei unweit ihres Hauptgebäudes in der Schnellstraße selbst eine geeignete Unterkunft. Im Einvernehmen mit der Kultur- und der Bauverwaltung wurde ein detaillierter Umbauplan erstellt, der für sechseinhalb Millionen Mark das Gebäude als bezugsfähig veranschlagte. Für 1999 bewilligte der Senat die Baukosten, doch bis heute wurde dort kein Stein verschoben - das Geld aber ist weg. Jetzt droht der Puppenspielabteilung, die neben der in Stuttgart die einzige in Deutschland ist, die völlige Obdachlosigkeit, da auch das für den Asbestnotfall zugewiesene Provisorium im ehemaligen "Haus der Kinder" aus Brandschutzgründen nicht beziehbar ist.

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